Kein Wunder, dass dieser existenzialistisch-symbolistische Film an russische Meisterwerke erinnert, war doch der argentinische Autor des Romans Zama, Antonio di Benedetto, von Dostojewski sehr beeindruckt.

Sein Roman Zama gilt als ein Meisterwerk. Lucrecia Martel hat das verfilmt mit momentweise tarantinesken Bildern aus Patagonien und mit Daniel Giménez Cacho als Don Diego de Zama, der auch Professor genannt wird.

Zama ist auf einer Außenstation des spanischen König- und Kolonialreiches tief im Süden Lateinamerikas, wo das Land schon am Versumpfen ist, wo man noch Schwarze als Leibeigene hält und sie Neger nennt.

Einmal wird Zama als ein Held beschrieben, der ohne Waffen Frieden mit den Indianern geschaffen habe. Er ist weit vom Schuss des Kolonialreiches, er hat einen Sohn mit einer Indigenen.

Das Setting ist absurd genug, Absurdität wie im russisch-filmischen Existenzialismus geht durch den Film, Natur und Kultur gehen ein sonderbares Gemenge ein: Puder-Perücken einerseits und nackte Frauen, die sich mit Sand einreiben, andererseits; höfischer Rock, Schwert, Perücke und Dreispitz in den Dünen; Zama als Voyeur in den Dünnen.

Dass das alles direkt und mit vollem Ernst gebracht wird, das macht den Reiz und die absurde Komik aus. Die schlägt sich in Dialogen wieder.

Die stumme Sklavin von Luciana Pinares de Luenga (Lola Duenas), einer höfisch mondänen Salondame, hat sich freigekauft. Sie teilt es Zama mit, und habe sich gleich wieder in die Unfreiheit der Ehe begeben, kommentiert Luciana. Worauf Zama meint, eine Stumme könne kein Jawort geben.

Der Schreiber in dieser Außenstation, die so gar nichts Repräsentatives hat, und wenn schon, dann in armseligen Lehmgebäuden, Manuel Fernández (Nahuel Cano), schreibt statt Briefen und Berichten ein Buch. Das ist unerhört, findet der Gobernador (Daniel Veronese), der für Ordnung sorgen soll und der Zoma mitteilt, dass er nicht wunschgemäß versetzt sondern bestraft wird, weil er einen Gefangenen hat laufen lassen statt ihn zu exekutieren.

Wie der Gobernador doch einige Zeilen aus dem Buch liest, bewundert er die philosophische Feder. Allein, was mit diesem Manuskript passiert, ist ein absurder Vorgang für sich. Hat Literatur in so einer Außenlage überhaupt einen Wert, ein Gewicht, gar eine Macht?

Es sieht nicht gut aus für Zama. Er will ein Gnadengesuch an den König stellen. Das dauert, meint der Gouverneur, das erste beantworte der König prinzipiell nicht und das zweite solle man erst ein bis zwei Jahre nach dem ersten stellen. Zu viel Zeit für einen, der gerade aus seiner Residenz rausgeworfen worden ist, dessen Mobiliar enteignet. Immerhin kann er ein paar Möbel von Sklaven wegtragen lassen in die Strohhütten in den Dünen.

Seine Rettung könnte die Jagd nach dem Schurken Vicuna Porto (Matheus Nachtergaele) sein; das wird die Geschichte eines verelendenen Abstiegs, einer Verarmung und Enteignung, eines beispiellosen Niedergangs in der Pampas Pategoniens, die dafür eine großartige Kulisse bietet. Was ist das Menschliche, was ist das Kreatürliche, was ist koloniale Macht, was Liebe? Ob die Poesie von nichtiger Gewalt im Niemansland darauf eine Antwort weiß?

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