Ein gutgemeinter Antikriegspropagandafilm mit den unangenehmen Begleiterscheinungen eines Propagandafilmes: Message statt Vérité, überzeichnete und stilisierte Realität, hier aus der Horrorperspektive mit Schocksoundunterstützung anstatt Differenzierung und Menschenbeobachtung, wobei die Ausflüge ins Groteske und Absurde noch zum Angenehmsten gehören.

Aber auch ein Film, der bei aller Armee- und Militarismuskritik niemandem weh tun dürfte, der ganz nach dem Geschmack des linksliberalen Intellektuellentums ist. Das geht auf Kosten von Humor, Herzlichkeit und Menschlichkeit. Insofern der Krieg unmenschlich ist, gibt er ihm recht.

Die Menschlichkeit, das gelöste Lachen, die Tränen und das Haschpfeifchen (und damit wohl auch das Erwachen der Erotik aus dem Dornröschenschlaf) kommen – und das wirkt wie ein Treppenwitz der Geschichte und ist auch als solcher geschrieben und inszeniert – erst in dem Moment ins Spiel – A C H T U N G S P O I L E R! – wie klar wird, dass Sohn Jonathan eben nicht gefallen ist, sondern lediglich Opfer eines Verkehrunfalles wurde. Das ist doch viel menschlicher, so ein Tod, als der des Kriegsopfers, soweit die Moral dieses Filmes von Samuel Maoz in einer israelisch-schweizerisch-deutsch-französischen Koproduktion.

Die Story ist die: Sohn Jonathan (Yonaton Shiray) von Michael (Lior Ashkenazi) und Daphne (Sarah Adler) Feldmann ist im Kriegseinsatz gefallen. Das wird in einer maximal horrorlookigen Szene von einem Offizier den Eltern mitgeteilt und in überzeichneten Details erzählt.

Es bleibt für den Zuschauer genügend Zeit, zu überlegen, bei welchem Kriegsverbrechen der israelischen Armee ihm das wohl zugestoßen ist, ob er gezielt auf die Herzen von Demonstranten geschossen hat oder bei einem Raid in Palästinensergebieten.

Es bleibt Zeit genug für plausible Antikriegsphilosophie. Die Info stellt sich allerdings als Ente heraus. Jetzt müssen die Feldmanns, da ist der Bruder Avigdor (Yehuda Almagor) und die deutsch sprechende Mutter (Karin Ugowski), sowie Schwester Alma (Shira Haas), ihre Trauer zurückfahren und damit hat der Film sein Horrorpulver verschossen (die Schockuntermalung von Geräuschen, das übergroße Insbildsetzen eines Schraubenziehers im Sinne eines Mordinstrumentes oder eines Wassertropfens wie einer tödlichen Bombe nebst Kameraperspektiven von der Decke oder durch lange Flure).

So wendet er sich dem mehr grotesk-absurden Dasein von Soldaten in der Wüste an einem Versorgungsweg zu. Die Schranke im Niemandsland veranstaltet einen Lärm wie eine knarzende Tür im Horrorfilm, damit das freischaffende Kamel unten durchschreiten kann.

Grotesk ist die Situation mit dem allmählich im Sand versinkenden Aufenthaltscontainer der Soldaten, hier blitzen persönliche Gespräche auf; um das aber nicht zu vertiefen und das Plakative und Zeigefingerhafte des Filmes nicht zu verlieren, passieren ab und an Autos, die den Kontrollmechanismus ins Leere laufen lassen; vielleicht als Ansatz von Parodie gedacht.

Dann gibt es noch einen Fall von Hysterie wegen einem Horrorgeräusch mit Todesfolgen, auch das eine Alltäglichkeit. Worauf der junge Jonathan, um den sich die Aufregung seiner Familie dreht, sich auf seinen letzten Weg macht.

Weil der Film Foxtrot heißt, spielt der ähnlich geschriebene Tanz die Rolle eines Running Gags mit Variationen und einem Highlight von Grotesk-Tanz, Soldat mit Gewehr in der Wüste. Was könnte man sagen, wie über die Philosophie gemunkelt wurde, das Kino hat die Welt nicht verändert, es hat sie nur verschieden interpretiert.

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