Dieser Film von Franck Dubosc mit den stahlblauen Augen (Drehbuch, Regie, Hauptrolle) zupft ganz ohne Schmerzen und ohne bedrohlich zu werden an der Oberfläche von Lügengespinsten. Garniert ist er dicht mit Scherzen zum Thema der Behinderung vor dem Hintergrund weitherum konsensfähiger Toleranz.
Jocelyn (Franck Dubosc) ist CEO einer Turnschuhfabrik, die in der Liga der großen Sportschuhhersteller mitspielen möchte. Allerdings ist Jocelyn ein chronischer Lügenbold. Was richtigerweise vermuten lässt, dass es hier um Komödie und nicht um Realismus geht.
Das zeigt gleich die erste Szene am Flughafen. Er ist gelandet, mustert die Abholer und eine fesche Schwarze, die ein Namensschild aufhält, steuert er gezielt an und gibt sich als der Erwartete zu erkennen. Dass alles vorne und hinten nicht stimmen kann, was er behauptet, ist schnell ersichtlich, denn die Dame erwartet einen Afrikaner und keinen hellhäutigen, blauäugigen Pariser.
Anlass für seinen Besuch ist die Beerdigung seiner Mutter. Wie Jocelyn in ihrer Wohnung Mutter deren Hinterlassenschaft mustert, stößt die Nachbarin Florence (Alexandrea Lamy) dazu; er sitzt gerade im Rollstuhl seiner Mutter. Deshalb erfüllt er ihre Erwartung, dass er lahm sei, neue Lüge, die die Komödie ins rollen bringt.
So passt es, dass Florence ihn mit seiner ebenfalls gelähmten Schwester Julie (Caroline Anglade) zusammenbringt.
Die Voraussetzungen für Situationskomik sind gegeben, der Zuschauer weiß immer mehr als manche der Beteiligten und kann sich daran delektieren.
Jocelyn muss seine Rolle als Gelähmter durchziehen, um mit Julie zusammenzukommen, ja seine Firma wird künftig auch Behindertensport unterstützen. Seine Vorzimmerdame Marie (Elsa Zylberstein) hat den ganzen Zirkus schweigend zu ertragen und darf ihn nicht auffliegen lassen.
Sein Arzt Max (Gérard Darmon) macht die Komödie ebenfalls mit. Claude Brasseur hat Auftritte im Altenheim als Jocelyns Vater. Und der Wallfahrtsort Lourdes wird seiner Wunderpflicht nicht so gerecht, wie zu erwarten wäre.
Es tragen andere dramaturgische Twists zur Auflösung der rollstuhlfixierten Lüge bei. So dass der Zuschauer beschwingt das Kino verlassen kann, denn die Franzosen haben einmal mehr gezeigt, dass sie Komödie können, auch wenn die Rollstuhlparallele zu „Ziemlich beste Freunde“ etwas weit hergegriffen ist. Es ist alleweil angenehmer, so einen Film zu schauen, anstatt Trübsal zu blasen oder sich im deutschen Subventonstümpel für dumm verkaufen zu lassen. Der Film hinterlässt den Eindruck, dass es um die Menschheit doch nicht so schlecht bestellt ist, wie einen die Nachrichten pausenlos glauben machen möchten.