Das Geheimnis der Ehe

oder warum sie nicht klappt. Auch das kann ein Geheimnis sein.

Ein Geheimnis bleibt es in der Ehe von Florence (Saoirse Ronan) mit Edward Mayhew (Billy Howle), die genau 6 Stunden hält.

Es gibt Hinweise. Die machen diesen Film von Dominic Cooke nach dem Drehbuch von Ian McEwan nach dem eigenen Roman aus, der sich über 45 Jahre erstreckt, ein großer Film auch so besehen und die machen, dass der Zuschauer nach knapp zwei Stunden nicht übereilten Filmes voller Gedanken und Bilder zum Thema des Geheimnisses der Ehe das Kino reich und gründelnd verlässt.

Der Film fängt im Jahr 1962 an. Florence stammt aus einem Industriellenhaus, ist eine Vorbildschülerin, klassische Geigerin und hat einen 1er-Abschluss. Sie spielt in einem klassischen Quartett, teils Quintett und ist Anti-Atom-Aktivistin.

Edward kommt aus Arbeiterverhältnissen (was wäre das britische Kino ohne den Klassenunterschied!). Seine Mutter ist gehirngeschädigt, wirkt wie eine ausgeflippte Künstlerin, läuft schon mal nackt in den Garten hinaus zur Beobachtung eines Vogels. Sie ist fast nur mit sich selbst beschäftigt. Und die zwei kleineren Schwestern von Edward schlagen nach der Mutter.

Edward hat auch einen 1er-Abschluss. Diese Botschaft bringt ihm in freudiger Erwartung sein Briefträger. Den will er am Briefinhalt nicht teilhaben lassen. An der Mutter prallt die frohe Botschaft kalt ab. Das zerreißt einem das Herz, wenn der Sohn diese Freude mit der Mutter nicht teilen kann. Auch bei den kleinen Schwestern stößt die Mitteilung auf snobbishes Desinteresse, die sitzen auf ihren Betten bei schönstem Wetter und stricken.

So geht Edward zum College um irgendwen zu finden, bei dem sein Mund überlaufen kann, wovon sein Herz voll ist. Das ist Florence, die er noch nicht kennt und die Werbung für ein Anti-Atom-Komitee macht. Ihre Blicke treffen sich. Die Beziehung kann beginnen. Gemeinsamkeiten sind da.

Der Film fängt mit der Hochzeitsfeier der beiden in einem Strandhotel an. Die Hinweise auf die jeweiligen Lebensgeschichten, und warum die Ehe vielleicht nicht funktionieren kann, werden als Rückblenden eingewirkt.

Wie die beiden in freudiger Erwartung sich in ihre altmodische Hotel-Suite zurückziehen, kommt die erste Störung, zwei linkische Kellner. Detail am Rande ist die Sache mit der runtergefallenen Weinflasche und wie sie das Problem lösen. Sie servieren noch ein Abendessen. Wie sie endlich aus dem Zimmer sind, hört man sie im Flur herausprusten vor Lachen.

Die Entwicklungen in Richtung ersehnter Hochzeitsnacht sind von Hemmnissen durchzogen, so dass Florence das Zimmer verlässt und in ihrem blauen Kleid ein oder zwei Kilometer auf eine Kiesinsel hinausläuft.

Er folgt ihr. Dort bei einem symbolhaft gestrandeten Boot findet die zentrale Auseinandersetzung der beiden statt, die diese Ehe nach nur 6 Stunden beendet.

Der Film macht daraufhin noch Zeitsprünge im Jahrzehnteschritt über 1976 bis 2007. Die Verwandlung der beiden großartigen Schauspieler in ihre Altersvarianten ist faszinierend, auch wie sie das Alter spielen. Und wie sich selbstverständlich wie nebensächlich plötzlich die Lebenswege wieder kreuzen.

Die Musik geht vom Jazz über den Rock’n Roll bis zum klassischen Quartett-Score. Vom Schlammassel des Nicht-Glücklichseinkönnens.

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