Goodbye Christopher Robin

Kinderstar.

Dies ist die kalorienreich-britisch dargebotene Geschichte eines Kinderstars, die gleichzeitig die Geschichte hinter einem Kinderbuch-Welterfolg ist: die Geschichte von Pu der Bär der zu einer Walt-Disney-Franchise als Winni Puuh geworden ist.

Die in wohlig-ruhigen Bildern erzählte Geschichte fängt in Sussex, England an. Alan Milne (Domhnall Gleeson) ist ein erfolgreicher Autor. Er ist mit Daphne (Margot Robbie) verheiratet. Ihr Kind heißt Christopher.

Alan leidet unter posttraumatischen Störungen von seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg. Er wird zum heftigen Gegner von Krieg.

Der Film von Simon Curtis (Frau in Gold, My Week with Marilyn) nach dem Buch von Frank Cottrell Boyce und Simon Vaughan fängt 1941 an, springt dann auf 1916 zurück, wie Daphne Alan anmacht und zum Tanzen auffordert. Alan hält flammende Antikriegsreden, statt dass er zu seinem Buch spricht oder ein öffentlicher Auftritt misslingt, weil Kriegserlebnisse ihn einholen.

Es braucht wenig Anlass dafür, ein Bild, ein Ton, der an den Kriegshorror erinnert. Aber bald kann er – Tink-e-ti-ton! – einen Sohn von 9 Pfund ankündigen. Doch schreiende Babys sind nichts für ihn. Er schafft es nicht, eine emotionale Beziehung zum Buben zu entwickeln. Das zeigt eine frühe Szene, wie er das Baby die Treppe hoch zu den Schlafzimmern mit ausgestreckten Armen trägt.

Zeitsprünge. Aus dem Baby ist ein Wonnepfropfen von Bub mit Apfelgesicht und blonder Mähne geworden. Als Kindermädchen, das womöglich rund um die Uhr für ihn da sein sollte, ist Olive (Kelly Macdonald) engagiert. Die Familie ist aufs Land gezogen in ein Haus mit viel Umschwung. Denn Alan glaubt, dadurch seinen posttraumatischen Störungen zu entkommen. Was nicht der Fall ist.

Alans Zweifel an seinem schrifstellerischen Tun wachsen, Schaffenskrise, die Dichter erreichen nichts, die Welt geht ihren Lauf, ist seine deprimierende Einsicht. Er sollte schreiben und liefert nicht.

Die Hauptbeziehungsperson zum Buben ist Olive. Weil es ihrer Mutter schlecht geht, muss die Nanny für ein paar Tage verreisen. Daphne ist auch nicht da; sie hat genug von den lächerlichen Versprechungen von Alan; ihre Beziehung ist angespannt.

So sind Vater und Sohn aufeinander angewiesen. Und entwickeln ein wunderbares Verhältnis. Der Grundstock für die Bärgeschichten wird gelegt. Der Bär ist eines der Stofftiere von Christopher.

Die Veröffentlichung der Geschichten von Winnie-the-Pooh wächst sich zum epochalen Erfolg aus. In den wird auch Christopher hineingezogen, schon als Kind; er wird mit der Buchfigur Christopher Robin identifiziert. Die Medienmaschinerie stürzt sich auf ihn. Da er ein begabtes Kind ist, spielt er mit. Aber die Hypothek ist gigantisch. Wo immer er hinkommt, wird er als Christopher Robin gesehen.

Dabei möchte er Christopher sein. Auch im Internat, hier wird er jetzt von einem älteren Darsteller gespielt, holt ihn der Fluch der Berühmtheit ein. Selbst die Musterung fürs Militär schafft er nicht. Er möchte aber in den Zweiten Weltkrieg ziehen wie die anderen auch. Er bittet den Vater, seine Beziehungen spielen zu lassen. Das funktioniert.

Wobei ein Telegramm einen gewissen Schlusstrich ziehen wird. Die Frage aber ist nicht gelöst, die mit den Kinderstars. Das gilt auch für diesen Film. Was wird aus dem wunderbaren Buben, der hier den berühmten Buben nachspielt? Kinder im Film. Manche Eltern schleppen ihre Kinder schon als Babys mit zu Castings für Babybreiwerbung. Mir ist immer unwohl, wenn Kinder in Filmen auftauchen, wenn Kinder zu Stars gemacht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.