Solo: A Star Wars Story

Die Star Wars Produktionsmaschinerie existiert, sie ist riesig und durch den anhaltenden Erfolg der Sequels wird sie am Leben gehalten und muss Output liefern. Da kanns auch mal was Kleineres sein. Und da können auch mal Fehler passieren, das kommt in den besten Familien vor. Autofirmen müssen manchmal Rückrufaktionen starten bei Produktionsfehlern. Das dürfte beim Film eher nicht passieren. Da verschwindet ein nicht besonders gelungenes Produkt schneller aus den Sälen.

In diesem Star Wars Historical musste schon während der Produktion die Regie ausgewechselt werden. Offiziell ist jetzt Ron Howard der Regisseur (The Beatles – Eight Days a Week – The Touring Years, Inferno). Für das Drehbuch stehen Jonathan und Lawrence Kasdan. Ihnen ist die Aufgabe zugefallen, nach den Charakteren aus dem Star Wars Universum von George Lucas die Vorgeschichte von Han Solo zu erfinden und in ein Drehbuch zu gießen.

Vielleicht haben die beiden schon grundsätzliche Fehler in ihrer Storyerfindung gemacht: dass sie Han Solo von der bekannten Figur her aufgezäumt hatten. Dass eh schon klar ist, was er werden will, nämlich Pilot. Aber sie haben es unterlassen, Han Solo als unbeschriebenes Blatt in Corallia, einer rechtlosen Ecke im Universum, zu schildern, als eine Figur, die keine Chance hat und absurderweise bereits den Berufstraum vom Piloten im Kopf hat und dass er Corallia verlassen möchte. Daran wird nicht eine Sekunde gezweifelt: diese Diskrepanz zwischen Realität und Traum wird nicht zur Spannungserzeugung genutz. Somit verpassen die Autoren auch die Chance, dem Han Solo ein Geheimnis zu verpassen, was sie auch für künftige Sequels spannend machen könnte.

So entsteht der Eindruck, man schaue auf diese Figur wie mit einem Fernrohr aus der Zukunft. Die Zukunft liegt gewissermaßen von Anfang an schon hinter Han Solo. Alden Ehrenreich, der ihn spielt, hat es aber nicht nur aus diesem Grund schwer oder darum weil alle Welt ihn jetzt mit seinem Vorgänger Harrison Ford vergleicht. Er wirkt allein durch die Anforderungen des Drehbuches bereits als eine glatte Fehlbesetzung.

In manchen Momenten hat er ein interessantes Gesicht, aber irgendwie passt der Film um ihn herum nicht dazu. Wobei, das mag sowohl drehbuchtechnisch als durch die Drehhistorie mit Regiewechseln bedingt sein, die anderen Protagonisten auch nicht als magnetische Zusammenhaltsfiguren wirken: Woody Harrelson als Beckett, Emilia Clarke als Qu’ira, Donald Glover als Lando Calrissian, Thandie Newton als Val, Paul Bettany als Dryden Vos. Sie liefern ihre Arbeit, die vornehmlich nach Studio aussieht zuverlässig ab. Aber 1 + 1 ergibt bei diesem Team genau 2 und nicht ein Deka mehr.

Es kann nicht jeder Blockbuster gelingen. Manchmal ist in einer Produktion der Wurm drin. Aber da viel Geld investiert worden ist, muss das Produkt doch auf den Markt geworfen werden, auch wenn es über weite Strecken nicht fertig aussieht. Immerhin ist bei der Pressevorführung dankenswerter Weise auf 3-D verzichtet worden.

Den Fans dürften solche Makel eh wurscht sein, die werdens schlucken: es gibt viel Hit and Run, waghalsige Eisenbahndiebstahlaction entlang von ewig langen, schroffen Berghängen (und schon Sekunden später sehen die Akteure aus, wie frisch aus dem Wohnwagen gepellt), es gibt gut nachvollziehbare Pass- und Identitätskontrollen, es gibt alleweil, bevor man einschläft wieder ein aufmerksamkeitheischendes oing-oing von Chewbacca (Jooan Suotamo), der sich komplikationslos in einem Verlies mit Han Solo anfreundet; auch hier sind die Storyschreiber über jede realistische Annäherung und Beschnupperung hingweggeangen, weil sie – und mit ihnen die Fans – ja wissen, dass die beiden Freunde werden.

Während der Geist sich damit beschäftigt, warum das alles irgendwie nicht so richig funktioniert, trotz am Schluss schludrig drübergestreuter Vertrauensfrage, und somit unorganisch wirkt, ist das Auge nebst der Computeranimationsaction gut beschäftigt mit Kostüm- und Figurmummenschanz wie einsten im Völkerkunde- oder im ethnologischen SciFi-Museum.

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