Maria by Callas

Perfekte Rolle.

Das ist die Callas, die berühmte Sängerin, Weltstimme, umjubelt in den Opernhäusern der Welt, von einer ehrgeizigen Mutter früh in die Sängerinnen-Karriere gedrängt, fleissig, zuverlässig, schnell lernend.

Sie war einer der größten Stars der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und hat das Startum perfekt gepflegt. Das zeigen Archivaufnahmen: Pelz und Perlen, Blumen, Meuten von Photographen, Flugzeuge und Limousinen und immer stark geschminkt, vor allem die Augen, die stets souverän und gerecht groß in alle Richtungen gerollt werden.

Tom Volf hat diesen Film ausschließlich aus Archivmaterial montiert, keine dummen, überflüssigen Statements sind drin, keine Fachleute, Laien, Nachbarn geben ihren Senf dazu. Keine Statements von Heutigen. Callas und Maria sprechen aus dem Archiv zu uns.

Durchgehend kommt ein längeres Interview mit dem Journalisten David Frost vor. Es ist in Schwarz-Weiß gedreht und zeigt ein intelligente, selbstbewusste Frau, während der Journalist qualmt. Zeiten waren das.

Volf hat den Film nicht nur biographisch geordnet, er hat ihn auch thematisch auf einer Äußerung der Callas aufgebaut. Das sind die zwei Personen, die sie ist, einerseits die Privatperson Maria (die zwar immer auch in der Callas drin sei) und die berühmte öffentliche Größe, die Callas, für die sie ihr Leben hergegeben hat, ihre Karriere, die aber andere frauliche Wünsche nach Häuslichkeit und Kindern verhindert hat. Das ging einfach nicht.

Im Laufe des Filmes schält sich nach Schicksalsschlägen und Enttäuschungen immer mehr die Maria heraus, die sitzt leger in Hippie-Kleidung am Pool, Frisur und Schminke nicht mehr so dick und perfekt; sie sagt auch, sie hätte nicht mehr jeden Tag geübt.

Der Film ist auch ein hochspannendes Dokument über Startum, wie es möglicherweise noch heute vorbildlich für das Promitum ist. So wie die PR-Agenturen für Filmpremieren den Roten Teppich organisieren und inszenieren, spricht doch dafür, dass sie eigentlich von solch vergangenem Startum träumen. Als es noch Stars gab.

Über ihr Seelbenleben geben Briefe Aufschluss, besonders aus Krisenzeiten, wie Onassis, mit dem sie jahrelang befreundet war, über Nacht Jacqueline Kennedy geheiratet hat, oder darüber dass sie wieder singen möchte.

Eva Mattes liest die Briefe auf Deutsch und es ist erstaunlich, wie sie sich in die Callas einfühlt, so dass man fast den Eindruck bekommt, die Callas würde auch Deutsch sprechen.

Auch in der Karriere ließ die Callas die eigensinnige Maria stürmisch durchdringen: es gibt ein Interview, wie sich die Met von ihr getrennt hat, da zieht sie vom Leder über die verstaubten Inszenierungen dort, regt sich richtiggehend auf, dass sie vor der ersten Aufführung nicht mal die Kulisse gesehen habe und dass sie in jeder weiteren Vorstellung jedes Mal andere Gesangspartner hatte und dass sie sich mehr Neuinszenierungen wünsche und überhaupt, dass sie keine Routine mag. Dagegen lobt sie Dallas, wohin sie stattdessen ausweicht.

Ein Film der sich gerade in der Konsequenz des unserer Ansicht nach veralteten Startums im Kopf festsetzt, sodass die Bilder wie Überblendungen noch heftig in den Nachfolgefilm hineingewirkt haben, (eine amerikanische Coming-of-Age-Komödie der seichten Art).

Sowieso für Callas-Fans: viele Arien werden über das vielfältige Bildmaterial gelegt, das aus Interviews, Super-8-Filmen unterschiedlichster Provenienz und News und auch den Dreharbeiten mit Pasolini besteht. Und doch ein altmodisches Frauenbild: am liebsten Familie und Mutter und dann würde sie die ganze Karriere nicht brauchen – sie hat wegen Onassis für einige Jahre das Singen ruhen lassen.

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