Meister der Träume – Le Prince de Nothingwood

Vom Kino fürs Leben lernen.

Das ist ein Befund, der in dieser Dokumentation von Sonia Kronlund über den afghanischen Filmemacher Salim Shaheen mehrfach fällt. Selbst ein vermummter Taliban meint, aus seinen Filmen könne er was lernen, obwohl die Taliban Filme generell ablehnen. Sie würden sogar handeln mit seinen Filmen.

Ob Russen, Taliban oder Nato in Afghanistan wüten, einer dreht unverdrossen Filme, ob im Raketenhagel oder selbst als militärischer Kommandant, einen Film nach dem anderen: Salim Shaheen.

Zur Zeit der Dreharbeiten für diese Doku arbeitet er gleich an vier Filmen parallel. Zu den Dreharbeiten in Bamyan begleitet die Französin Kronlund ihn. Ein Sicherheitsbeamter ist ständig dabei. Bei manchen Fahrten fährt ein Polizeifahrzeug voraus. Die Dokumentaristin versichert sich hin und wieder, ob die Lage sicher sei, sie hätte von Minen gehört. Salim Shaheen antwortet, und wenn, dann würden sie für die Kunst, fürs Kino sterben.

Wie er als Junge sich einmal ins Kino geschlichen hat, das wars um ihn geschehen, da war er angesteckt davon. Auch diese Szene schildert er in einem Film. In einem anderen Film schildert er, wie er im Krieg einen Angriff überlebt hat, indem er sich zu den getöteten Mitsoldaten legte. Das habe er aus einem Film gelernt.

Er arbeitet mit kleinem Team, mal schreit er, mal lacht er, braucht trotzdem seine Drehgenehmigungen, hat seinen Hauptstar Qurban dabei und weiß, dass er mit Laien besonders umgehen muss, wenn die vom Kino keine Ahnung haben, dass sie sich nicht ständig unterhalten sollen.

Sonia Kronlund ist seit dreißig Jahren Kriegsberichterstatterin in Afghanistan, bewegt sich souverän, Zigarette rauchend und mit Kopftuch, sicher in der afghanischen Männergesellschaft, kann sich unterhalten und wird von Salim Shaheen einfach als Mann behandelt, denn oft, in Privathäusern, sind die Frauen nicht dabei, auch selten bei Dreharbeiten in großartiger afghanischer Kinolandschaft, wenn Reiterkämpfe gefilmt werden. Aber die Dokumentaristin muss für diesen abenteuerlichen Trip oft die einfachsten Regeln für Reisen durch Afghanistan verletzen.

Shaheen berichte von allen Facetten des afghanischen Lebens, vom Krieg, vom Brotbacken, vom Heiraten, Travestie kommt vor und immer wieder werden die Filme mit Songs wie im Bollywoodkino unterbrochen. Er nennt es aber das Nothingwood, das Bollywood oder Hollywood ohne Geld. Wobei es für ihn offenbar immerhin reicht, ein Haus mit drei Etagen zu bewohnen. In den ersten zwei Stockwerken wohnen seine beiden Frauen, die eine, die er gezwungen geheiratet hat und die älter war und in ihm Selbstmordgedanken geweckt hat; im zweiten Stock wohnt seine Wunschfrau. Von beiden hat er zusammen acht Söhne und sechs Töchter. Und im dritten Stock wohne er, die dritte Frau. Zum Interview mit der Dokumentaristin erscheinen nur die Söhne.

Warum er mit allen Ethnien und Stämmen in Afghanistan zurechtkomme? Er sei sehr diplomatisch, überall habe er eine Mutter.

Seit ich seinen Film gesehen habe, fühle ich mich jünger.

Du fragst, ob meine Frau im Film tanzt. Dabei ist es, als würden wir jede Nacht einen Film drehen.

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