Der Deutsche Filmpreis

Heute Abend wird wieder mit großem Gehabe der Deutsche Filmpreis verliehen, der eigentlich eine Vorspiegelung falscher Tatsachen ist, denn er ist lediglich der Filmpreis des Vereins Deutsche Filmakademie e.V. Das ist ein Zusammenschluss deutscher Filmschaffender der verschiedensten Gewerke, die nach einem nicht öffentlich einsehbaren Empfehlungssystem in den Verein aufgenommen worden sind. Korrekt müsste es heißen „Filmpreis des Vereins Deutsche Filmakademie e.V.“. Wobei die Vorspielgelung falscher Tatsachen dem Wesen des Kinos und des Filmes durchaus nicht fremd ist. Der Schein des Staatspreises – der also gesamtgesellschaftliche Relevanz beansprucht – wird noch erhöht durch die Tatsache, dass die deutsche Regierung in der Person der Kulturstaatsministerin Frau Monika Grütters 3 Millionen Euro Steuergelder für den Preis spendiert und durch ihre Anwesenheit bei der Verleihung diesen falschen Schein noch mehr befördert. Mitzureden hat sie bei der Entscheidung nicht. Diese beruht auf einem nicht richtig durchschaubaren, mehrstufigen Verfahren und die anonyme Schlussabstimmung liegt bei der Masse der Vereinsmitglieder, wobei viele davon vermutlich gar nicht die Zeit haben, alle in Frage kommenden Filme auch vergleichend anzuschauen. Sie müssen mit ihrer Stimmabgabe ja auch keine Begründung liefern. Und auch die Akademie schuldet weder dem Staat noch der Öffentlichkeit ein Begründung, warum jetzt möglicherweise 3 Tage in Quiberon (ein gehypter Kandidat) absahnt und Western nicht oder umgekehrt oder warum Transit von Christian Petzold gar nicht erst nominiert ist. Der Öffentlichkeit bleibt lediglich Kaffeesatzleserei (Kaffeesatzleserei als Kulturbegründung – wär ja nicht schlecht, da könnten die öffentlichen Gelder gleich gestrichen werden); das erspart eine inhaltliche Auseinandersetzung. Diese scheint vom Verein Deutsche Filmakademie e.V. offensichtlich auch gar nicht erwünscht. Bloss nicht andere gesellschaftliche Gruppierungen in einen Diskurs über die deutsche Filmkultur hineinzeihen. Die hat sich mit dem neulich im Netz aufgefischten Satz „Produzenten-Roundtable: Kein Mensch will schlechte Filme sehen“ abgesichert. Denn wenn niemand schlechte Filme sehen will, dann wird auch niemand schlechte Filme herstellen. So die suggerierte Conclusio. Trotzdem sei die Frage erlaubt, warum denn so viele deutsche Filme kaum jemand sehen will? Selbst „3 Tage in Quiberon“, was von einem großen Star handelt, der die Herzen der Menschen weitherum erobert hat, stürzte nach einem vielversprechenden Arthouse-Start von 40’000 Zuschauern am ersten Wochenende auf gerade mal 10’000 Zuschauer am zweiten Wochenende ab. Von einem Rumsprecherfolg dürfte da eher nicht gesprochen werden. Wobei der Film mehr als nur wohlwollend besprochen worden ist (allerdings nicht von stefe). Ist der Film das Beispiel für ein Kino, was niemand sehen will? Ist diese Falschheit am Deutschen Filmpreis und die Verweigerung von öffentlicher Diskussion über die Begründung, warum just dieser oder jener Film es verdient, gesamtdeutsche Steuergelder als Belohnung zu erhalten, vielleicht mit ein Symptom dafür? Der Beweis dafür, wie völlig neben der Kappe die hochsubventionierte, am Dauertropf hängende und somit künstlich am Leben erhaltene, deutsche Filmkultur ist, eine sich abschottende Filmkultur, die die öffentliche Diskussion scheut wie der Teufel das Weihwasser (aus purer Panik vor Einbußen bei den Geldstörmen)? Hier geht es zu einem Kommentar von stefe zu diesem Thema.

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