Stronger

Niemand kann eruieren, für wieviel Tote weltweit die Amis allein im Krieg gegen den Terror verantwortlich sind. Aber wenn dieser bei ihnen zuschlägt, dann kommen sie damit nicht klar. Dann leiden sie wie Sau darunter. Dann versentimentalisiert und verpatriotisiert es ihnen noch jeden Film, den sie auf solchen Ereignissen aufbauen. Dann appellieren sie daran, dass sie sich vom Terror nicht niederringen lassen wollen. Dann solidarisiert sich Amerika hinter seiner Fahne. Dann wird’s patriotisch. Dann heißt es, dass man die Terroristen nie gewinnen lassen werde.

Und keiner stellt die Frage nach den Ursachen des Terrors. Heldenfilmschreibung ist einfacher. Das Handwerk beherrschen sie ja. Hier ist es Regisseur David Gordon Green (Die Wahlkämpferin, Prinz Avalanche), der nach dem Drehbuch von John Pollono arbeitet. Dieser wiederum beruft sich auf das Buch von Jeff Bauman, der seine eigenen Erlebnisse beim Boston Marathon zu Buch gebracht hat.

Der Cosco-Hähnchenbrater Jeff steht direkt neben der Bombe und er verliert dabei beide Unterschenkel. Noch patriotischer wird das Ereignis in Boston in Patriots Day mit Mark Wahlberg als heldischem Polizisten abgehandelt.

Hier legt der Film einen ordentlichen ersten Teil hin. Green führt eine Regie wie mitten aus dem Leben heraus, voller Temperament, auch gerne mit heftigen Auseinandersetzungen, aus jedem kleinen Akt kann ein großes Drama werden. Schnell geraten widersprüchliche Meinungen aneinander.

Große Dramen im Kleinen. Wie nach den Operationen die Verbände von den Kniestummeln abgenommen werden. Wie Jeff seine ersten Bewegungen machen will, wie er stürzt. Eine Aneinanderreihung alltäglicher Katstrophen, die zu einem phyischen, lebensnahen Kino werden.

Jake Gyllenthaal ist eine treffsichere Besetzung für den verwundeten Fan – er hält als Zuschauer ein Anspornplakat für seine Ex. Aber je länger der Film dauert, je berühmter er dank der medialen Exploitation des Anschlages wird, desto mehr versinkt der Film in Dankbarkeitsszenen, in Feierszenen, in Gefühlsszenen, die der geschundenen amerikanischen Seele Balsam sein sollen (und dann ist auch noch Nachwuchs in Sicht; es ist nicht alles versehrt bei Jeff). Wie sie ihre Helden im vollen Stadien feiern, wie die Leute ihn ansprechen, wie andere Helden sich melden, wie „dies sternenbesetzte Banner“ beschworen wird.

Da verliert der Film für den Europäer schnell seine Faszination, die er anfänglich durch den dichten Szenenbau und die Kamera wie mittendrin auszuüben vermochte mit der griffigen Inszenierung. Beispiel dafür ist, wie Mutter zum Telefon schlurft, wenn der Katastrophenanruf kommt. Und durchaus passabel, dass der Held als ein nicht allzu zuverlässiger Mensch charakterisiert wird, weshalb seine Freundin Erin (Tatina Maslany) ihm vor zwei Monaten den Laufpass gegeben hat.

Konkretes, nahes Kino ist auch die Szene, wie nach dem Unglück der Chef von Jeff auftaucht und erst misstrauisch beäugt wird und heftige Diskussionen auslöst – dabei hat er gute Nachrichten.

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