Transit

Transit von Anna Seghers, liest sich in der Wikipedia-Zusammenfassung schon kompliziert genug.

Es handelt sich um eine Exil- und Fluchtgeschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, die spielt in Frankreich. Christian Petzold hat diese Erzählung als Stoffkiste benutzt, um daraus sein Drehbuch für diesen gleichnamigen Film zu schreiben.

Daraus wird im ersten Teil ein Road-Movie durch Flucht und im zweiten Teil ein Nachhängen manchen Seghers-Gedanken in der Wartesituation von Marseille. Denn von dort aus können Flüchtlinge, wenn sie die nötigen Papiere haben, Schiffe über den Atlantik nehmen, solange die Nazis noch nicht bis hierher vorgestoßen sind.

Petzold bündelt seinen Film um die Hauptfigur Georg (Franz Rogowski). Der soll Briefe eines Schriftstellers namens Weidel an dessen Frau in Marseille überbringen. Bis dorthin geriert sich der Film als Roadmovie im Sinne der Flucht. Die Situation von Flucht und Untertauchen wird Georg dazubringen, selbst die Identität von Weidel anzunehmen, da er nach dessen Tod an seine Papiere gelangt. Eine gewiss nicht allzu ungewöhnliche Fluchtgeschichte.

Die Erzählung von Petzold ist apart. Ganz diskret weisen die Kostüme von Georg und den anderen Akteuren auf die Kriegszeit hin. Aber sie durchqueren das heutige Frankreich und bleiben im heutigen Marseille – als Fremde.

Dieses Gefühl des Fremdseins entsteht ganz stark auf der Leinwand. Und somit möglicherweise die Basis für Mitgefühl mit all jenen Millionen von Menschen, die heute auf der Flucht sind.

Zu dem Thema gibt es aktuelle Dokumentarfilme aus verschiedener Sicht, „Eldorado“ aus Sicht der Auffangnetze und Exodus aus Sicht der Flüchtlinge, die mit ihren Situationen zurechtkommen, sich organisieren müssen, so wie Georg und Marie (Paula Beer), die Frau von Weidel und Richard (Godehard Giese), ein deutscher Arzt, der in Lateinamerika ein Kinderspital errichten möchte, es tun.

Das Warten auf die Passagen dauert, das auf die Papiere, auf die Visa. Hier fängt der Film an, reichlich akademisch zu werden. Mitten in bürokratischen Alltagssituationen wird die Frage diskutiert, wer trauriger dran sei, der oder die Verlassene oder derjenige oder diejenige, die andere verlässt, wer sich in die größere Einsamkeit manövriere (dabei weht ein Hauch pessimistischen Moralins durch den Film).

Georg freundet sich mit dem Buben Driss an. Der will mit seiner taubstummen Mutter über die Pyrenäen fliehen; Georg will über den Atlanktik. Marie freundet sich mit Richard an, beide mit unterschiedlichen Auswegen aus ihrer Lebenssituation, wobei Richard über den Atlantik setzen will.

Der amerikanische Konsul, der hervorragend Deutsch spricht, interessiert sich für das Wesen des Schriftstellers.

Es gibt sich wiederholende Begegnungen von Migranten, von Flüchtlingen, denn sie haben alle die gleichen Anlaufpunkte, die Konsulate, die Behörden oder Hotels, in denen sie unangemeldet unterkommen und wo sie ihre Geschichten austauschen können.

Auch wenn sich der Film zusehends in lyrisch-literarischem Geäst verfängt, können sich Schauspieler, die von Christian Petzold engagiert werden, glücklich schätzen. Sie kommen gut bei ihm. Bei ihm kann sich ein Franz Rogowski großartig weiterentwickeln. Es gibt eine Erzählerstimme, von der in manchen Momenten nicht klar ist, ob das nun der Wirt einer Kneipe oder Georg ist.

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