Nobody’s Watching – Nadie nos mira

Tage in New York, Nächte in New York.

Nico (Guillermo Pfening) ist nicht direkt der Schauspieler-Typ; noch weniger ist der Argentinier ein Latino-Typ mit seinem blond-rötlichen Haar, seinem eher scharfkantigen Gesicht mit ab und an einem leicht verkniffen-skeptischen Gesichtsausdruck.

In Argentinien ist er ein erfolgreicher Schauspieler in der Serie „Rivales“ (Die Rivalen). Er ist nicht mehr blutjung, irgendwo Mitte dreißig. Aber er will mehr als nur Erfolg in Argentinien. Cannes hat ihn beeindruckt.

Er will in Amerika durchstarten. Er fährt nach New York mit einem zeitlich begrenzten Visum und mit nicht allzuviel Geld. Er will sich um Schauspielerjobs bewerben. Er hat einen Einstellraum gemietet für einige Möbel, die er aus dem Sperrmüll gesammelt hat im Hinblick auf eine eigene Wohnung.

Eine eigene Wohnung hat er noch nicht zur Zeit dieses Filmes von Julia Solomonoff, die mit Christina Lazaridi auch das Drehbuch geschrieben hat. Sie folgen ihrem Protagonisten in New York. Er kann bei der verheirateten Andrea (Elena Roger) unterkommen. Sie ist eine Vertraute aus Argentinien. Ihr Mann ist oft geschäftlich unterwegs. Sie gibt Gymnastik- und Yogastunden. Er hütet ihr Baby.

Nico ist offenbar in Geldnöten. Prinzipiell klaut er im Supermarkt. Er will als Schauspieler arbeiten. Aber anstatt eines Rollenangebotes erhält er von einer Agentin den Tipp, sich erst mal den Akzent abzugewöhnen und die Haare schwarz zu färben; sie empfiehlt ihm einen Dialektcoach, etwas teuer zwar, für 200 Dollar die Stunde, nebst üblichem Caster-Gewäsch.

Aus der Branche hört er, dass niemand seine kostbare Zeit vergeuden wolle. Er jobbt in einem Lokal als Bedienung. Er scheint in den Tag hineinzuleben, unterhält sich auf dem Kinderspielplatz mit den Latina-Nannys, bekommt sogar ein Angebot für einen Fulltime-Nanny-Job. Er sucht Kontakte in Gay-Lokalen, wacht auch mal bei einem anderen Mann zuhause auf.

Während seine Situation in New York immer prekärer wird, versucht er seinen Leuten in Argentinien vorzumachen, wie erfolgreich er sei, dass alles gut laufe; der Mutter macht er über Skype weis, dass sie sich keine Sorgen machen müsse; für den Kollegen Pablo (Marco Antonio Caponi) von der Serie richtet er ein vorübergehend in Beschlag genommenes Zimmer so ein, als sei es seine Bleibe.

Sein Exfreund Martin (Rafael Ferro) besucht ihn. Sie vergnügen sich, bis er wieder zurückreisen muss. Der lebt verheiratet in Argentinien.

Julia Solomonoff schafft ein glaubwürdiges Portrait eines Schauspielers, der irrealen Träumen hinterherrennt; der fundamental Schauspieler ist; mit Guillermo Pfening hat sie einen hervorragenden Darsteller, der diese Existenzprobleme eines Schauspielers ohne Rollen großartig rüberbringt, wie er immer optimistisch von Filmprojekten spricht, und dabei elementar darauf angewiesen ist, dass endlich mal eine Rolle klappen würde. Anders wirkt sein Leben zufällig, beliebig, unzentriert.

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