Gringo

Sympathischer Außenseiter.

Ein Nigerianer namens Harold (David Oyelowo), ein sympathischer Außenseiter, wie er einmal genannt wird, aus Chicago wird in Mexiko als Gringo bezeichnet. Seine Vorfahren in Nigeria waren von jener Sorte von Prinzen, die ein enormes Millionenvermögen erben, aber nur mit Hilfe von aus dem Telefonbuch ausgewählten Europäern oder Amerikanern an dieses rankommen können, wenn diese bereit sind, einen beachtlichen Spesenbeitrag vorzuschießen.

Eigentlich ist er gar kein Außenseiter, scheint mir, in diesem Film von Nash Edgerton, der nach einem Drehbuch von Anthony Tambakis und Matthew Stone die Regie geführt hat in einer Art, die wie besonnenes Autorenkino wirkt, das sich genau Zeit nimmt, Handlungsstränge und Figuren zu entwerfen, damit kein Klischee aufkommt, damit niemand nur böse oder brav ist.

Alle Figuren sind Außenseiter im kapitalistischen System und versuchen, anständig zu überleben, was aber mit anständigen Mitteln gar nicht geht. So steht es auch für die Firma von Richard (Joel Edgerton), in der Harold arbeitet, nicht zum Besten; hier droht eine Fusion mit personellen Konsequenzen. Sie handeln mit Pharmazeutika, die in Mexiko hergestellt werden und für allerlei gut sind.

Harold ist in Mexiko die Bezugsperson. Sein Ansprechpartner ist Sanchez (Hernán Mendoza). Er soll aus Richards Firma rausgeschmissen werden, das erfährt er nur verklausuliert. Aber auch die Position der Partnerin von Richard, Elaine (Charlize Theron, als ganz harter und mit allen Wassern gewaschener Kapitalistinnen-Vamp) wackelt bei der geplanten Übernahme.

Es soll sich auch in Mexiko etwas ändern. Denn dort hat Harold mit einem Drogenhändler einen Deal, dass der unter der Hand etwas von dem Rauschmittel abbekommt. Harold soll dem Oberchef Black Panther (Carlos Corona) klar machen, dass die Quelle für ihn versiegt.

Dazu reisen Richard, Elaine, Harold kurzfristig nach Mexiko. Zudem hat die Frau von Harold, Bonnie (Thandie Newton), ihm eröffnet, dass sie ein Verhältnis mit einem anderen habe.

Harold, der liebenswürdige Außenseiter, sieht sich in Mexiko an den Rand einer Klippe gedrängt, nach der nur noch der tiefe Absturz, gar der Tod folgen kann. Denn ein Black Panther lässt sich nicht abservieren. Dessen Running Gag zum Testen seiner Besucher ist ein Anmerkung zu den Beatles.

Zur Erhöhung der dramatischen Vorgänge in Mexiko ist das nette, harmlose Paar Miles (Harry Treadaway) und Sunny (Amanda Seyfried) auf dem Weg zur Drogenfabrik. Sie arbeiten in einem Musikladen, auch sie kommen im kapitalistischen System auf keinen grünen Zweig und Miles lässt sich von einer frühern Freundin überreden, als Kurier einer kleinen Menge jener Superdroge zu agieren. Er kann der verlockenden Bezahlung nicht zu wiederstehen.

Alles rennet, alles laufet hinter dem Gelde her und gegen die Gesetze an. So auch der Bruder von Richard, Mitch (Sharito Copley, ein Weltabenteurer mit allen Wassern gewaschen, aber auch er aufs Geldverdienen aus), den Richard in seiner Verzweiflung über die Entwicklung der Dinge aus Nepal herbeibittet.

Ein schöner, symbolischer Running-Gag sind die verschiedenen Geschichten von den Gorillas, die in angewandten Geschäftsberatungsphilosophien immer wieder eine Rolle spielen. Und dass ein eingespritzter Elektrochip auch sein Gutes haben kann und nicht nur für Negativansichten von Überwachung taugt, das gibt der Film ebenfalls zu bedenken. Und sogar eine kurze AT/NT-Diskussion findet noch Platz.

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