Ghostland – Incident in a Ghost Land

Oger und Puppen.

Die Horrorautorin Elisabeth Keller (Crystal Reed) träumt davon, so meisterlich zu schreiben wie .H.P. Lovecraft.

Sie selbst ist eine starke Horrorträumerin inklusive Repetitiv- und Fortsetzungsträumen. Mit so einem fängt der Film an. Beth ist mit ihrer Mutter (Alicia Johnston) und ihrer jüngeren Schwester Vera (Anastasia Phillips) im Familienauto unterwegs. Beth ist schwarzhaaring, Vera ist blond und die Mutter ist rothaarig.

Wie es sich gehört für einen professionellen Horrorfilm, bestückt Autor und Regisseur Pascal Laugier diesen Weg bereits gekonnt mit ersten Horrorhinweisen. Eine Zeitungsschlagzeile an einer Tankstelle über einen brutalen Mord an einer Familie; dann plötzlich hinter dem Familienauto mit den drei Frauen ein Candy-Truck, eine Art Wohntrailer, der für Süßigkeiten Werbung macht. Hinterm Steuer und einem Fenster im Truck sind nicht näher identifizierbare Figuren. Die Schemen könnten Clowns sein – im Zusammenhang mit einem Horrorfilm keine beruhigende Vorstellung. Der Candy-Truck bedrängt erst den Familienwagen mit den drei Frauen, passiert ihn seitlich. Die freche Vera zeigt mit dem Gipsarm den Stinkefinger.

Die Exposition des Filmes erreicht jetzt das Ziel der Frauen: ein Spukhaus mit allen Zutaten, wie man sie aus bewährten Spukfilmen kennt, museumsreif die liebevolle Innenausstattung, vor allem Puppen, Puppen. Und an der Wand das Bild von Autor Lovecraft, hinweishaft.

Mit Ankunft des Candy-Trucks trifft auch das Horrorpersonal ein, der „Oger“, der dicke Mann (Rob Archer) und etwas kleiner hinter ihm die schwarze Frau mit dem langen schwarzen Mantel. Was sie den drei wehrlosen Frauen angedeihen lassen ist nicht erfreulich, gelinde gesagt; mir kommen Assoziationen zu Gräueln von denen aus dem Irakkrieg berichtet wird und die nicht neue Erkenntnis, dass das Horrorgenre dazu da ist, Urängste des Menschen vom Ausgeliefertsein und keine Macht über sein Schicksal zu haben, bildhaft eindringlich zu formulieren.

Doch die Befreiung folgt: schweißgebadet wacht Beth aus ihrem Horrortraum auf.

Das ist der Zeitpunkt für die Schilderung ihres feinen Lebens als erfolgreicher Horrorautorin, die gerade mit ihrem Buch „Incident in a Ghostland“ (so auch der Originaltitel des Filmes) Furore macht. So lässt sichs leben. Sie hat einen fürsorglichen Mann und einen Buben, der mit Augenbinden vor Horrorbildern am Fernsehen geschützt werden soll.

Doch die Angstträume lassen sie nicht los, ergreifen Besitz von ihr, fast will es scheinen, als verlaufe sie sich (oder der Filmemacher) darin.

Ausgiebige Schilderung der an sich und aus sich heraus generell faszinierenden Begegnung des Ogers mit Puppen, des Animalischen mit dem Mechanischen – und wehe, wenn eine ein lebendiger Mensch ist; seine tierischen Laute ähneln denen einer sterbenden Kuh; die Puppen fixen ihn an.

So wirkt der Film über Strecken wie eine hochkünstlerische Horrorinstallation, die sich an diesem Sujet nicht satt schauen kann. Das Tüpfelchen auf dem „i“ liefert der Musikscore.

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