Film Stars Don’t Die in Liverpool

Das Kino, das Gefühl und die Stars.

Großes britisches Gefühlskino, das Annette Bening als Gloria Grahame eine hollywoodwürdige Bühne bereitet. Es erzählt in einem Hauch von Nostalgie über die Macht des Kinos in seinen großen Zeiten über das Gefühl der Zuschauer, wie es die Menschen anrührte, bewegte und zum Träumen verführte.

Das bringt hier das britische Kino nach dem Drehbuch von Matt Greenhalgh und den Erinnerungen von Peter Turner in der Regie von Paul McGuigan (Viktor Frankenstein – Genie und Wahnsinn) fesselnd und kongenial auf die Leinwand.

Es geht um die ungleiche Liebe der Hollywood-Diva Gloria Grahame zum britischen Schauspieler Peter Turner (Jamie Bell). Peter ist so alt wie Tim (Tom Brittney), der älteste Sohn von Gloria, die mit vier Männern vier Kinder hat.

Peter lebt in Liverpool und spielt aktuell (1981) einen Krankenpfleger in einem Theaterstück, eine kleine Rolle. Er lebt noch zuhause bei Mutter Bella (Julie Walters), dem Vater und einem Bruder. Ein dritter Bruder lebt offenbar in Australien.

Die Turners sind eine einfache Familie mit einem einfachen Haushalt in einem Backsteinreihenhaus, britisches Arbeitermilieu. Bellas großes Thema ist der Flug nach Fernost, um den Sohn zu besuchen. Dabei steht ein 24-stündiger Umsteigeaufenthalt in Manila an. Dieser beschäftigt Bella Tag und Nacht, da sie noch nie in ihrem Leben geflogen ist.

In diese Situation hinein taucht Gloria aus New York auf. Sie leidet unter Gasen (so heißt es auf amerikanisch, zu Deutsch: Blähungen). Sie möchte von Peters Mutter gepflegt werden, sie spielt gerade in der Glasmenagerie von Tennessee Williams.

Dass sie der Star, die Primadonna, die Diva dieses Filmes ist und als solche auf ein Podest erhoben wird, zeigt die Eingangsszene in ihrer prächtigen Künstlergarderobe vor dem Auftritt; die Rituale, mit denen ein Schauspieler die Aufregung vor dem Auftritt zähmen möchte.

Die Liebe zwischen Peter und Gloria, die zwei Jahre zuvor begonnen hat, wird in Rückblenden nacherzählt. Dabei fächtert Annette Bening alle Facetten einer sensiblen und vermutlich tief verletzten Seele einer großen Schauspielerin mit grandioser Selbstverständlichkeit auf; bei denen man in keinem Moment weiß, ob es Spiel, ob Wahrheit ist; was die Liebe nicht leichter macht; was bei ihr die häufigen Trennungen zu belegen scheinen.

Er zieht zu ihr nach New York. Er ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, bei ihr zu sein und allfälligen Angeboten als Schauspieler aus England. So ist es eine Liebe mit Aufs und Abs, mit Wahrheiten und Lügen, mit Sehnsucht und Abstoßung, mit unterschiedlichem beruflichem Erfolg.

Jamie Bell unterstützt das Spiel der Diva so wie ein Toptänzer die Primaballerina mit Hebungen stützt. So kann Annette Bening die ganzen privaten Nuancen ausspielen. Es gibt einen Filmausschnitt und später einen Romeo-und Julia-Textaustausch, denn sie wollte unbedingt noch die Julia spielen und zwar an der RSC.

Durch die bedingungslose Unterstützung von Ensemble und Team gelingt Benning etwas, womit Schauspielerinnen oft Mühe habe: sich selbst als Schauspielerinnen mit all den seelischen Verwundungen, die eine wichtige Voraussetzung für Leinwandtiefe sein kann, so offen zu zeigen. Wodurch von diesem Film ein Bann ausgeht, der sich – Widerstand zwecklos – mit Macht über den Kinosaal legt.

Die Dramatik des Filmes liegt in der Story, die von einem großen Problem der Diva handelt und was als Schublade den Begriff „Melodram“ empfehlen würde. Die Übergänge von der Rahmenhandlung zu den Rückblenden sind eine raffinierte Art von Überblendungen, die auf das Vorbeiziehen der Bilder bei Zelluloidfilmen während der Projektion referieren. Das Kino ist ein Spiel mit und ein Montieren von Bildern, die ein Ganzes ergeben, die den Gefühlskern des Zuschauers treffen können.

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