Euphoria

Atmosphären- und Stimmungskino mit großartigen Actricen, ruhige Auslegeordnung einer Frau, Lisa Langseth, zum Thema Suche nach Zuneigung und emotionalem Wahrgenommenwerden.

Lisa Langseth, die das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt hat, interessiert sich intensiv und hingebungsvoll für ihre drei Protagonistinnen. Das sind die beiden Schwestern Emilie (Eva Green) und Ines (Alicia Vikander) und als eine Art begleitende Aufsicht, die selber auch Zuneigung und emotionales Wahregenommenwerden sucht, Charlotte Rampling als Marina.

Das kinematographische Drumherum interessiert Langseth nicht besonders, es soll nichts ablenken von dieser Gefühls- und Lebenssinnerforschung, die auch mit der Herkunft zu tun hat, mit der Struktur einer Familie.

Die Ehe der Eltern von Emilie und Ines ist auseinandergebrochen, nachdem der Vater eine andere hatte. Die Mutter ist mit ihrem Unglück allein geblieben. Es scheint, dass Emilie sich um sie kümmern musste, während Ines mit ihrem Künstlerinnen- und Sexleben in Spanien beschäftigt war, fernab von familiäre Triststimmung. Nicht mal zur Beerdigung ihrer Mutter ist sie erschienen.

Jetzt hat Emilie sich bei Ines gemeldet, um einige Tage mit ihr zu verbringen. Sie treffen sich in einer süddeutschen Stadt. Das ist nicht das Ziel. Das ist der Ausgangspunkt für diese letzte Reise der beiden Schwestern. Denn Emilie ist todkrank, hat nicht mehr lange zu leben.

Das Ziel ist eine ungewöhnliche Sterbeklinik in „einem anderen Land“, in der die Sterbewilligen ihre letzten Tage individuell gestalten können und an einem von ihnen bestimmten Zeitpunkt den tödlichen Mix trinken. Eine freie Zone für die letzten Tage.

Es handelt sich um ein herrschaftliches Anwesen in einem endlosen Wald, weit abgelegen und mit riesigem Park sowie zuvorkommendem Personal, aber auch einem Heli-Landeplatz, denn die meisten Gäste würde so herkommen.

Lisa Langseth nimmt sich ausgiebig Zeit für die Vorgänge in dieser Abgeschiedenheit. Es geht immer darum, was ein Leben sinnvoll macht, wie man seine letzten Tage noch genießen, ob man auf die Pauke hauen will, wie der Herr, der eine rauschende Party feiert, ob man sie nackt im Park verbringen will oder noch einmal mit einer Frau zusammenliegen oder an einer nächtlichen Meditation zu einem Text über die Espe und deren Zittern teilnehmen möchten oder im Internet ein paar gefakte, positive Imagebeiträge hinterlassen möchten, “Es muss aussehen, als ob ich einen Flüchtling umarme“.

Sinngebungen erscheinen vor der Folie des nahen Todes immer merkwürdig, erinnern an den philosophischen Satz vom Sein zum Tode, relativieren die täglichen Mühen und das Streben des Menschen, die Alltagsprobleme von Emily in ihrem Atelier, mit der nächsten Ausstellung oder dem aktuellen PR-Foto.

Ein Film, der den Zuschauer diskret und respektvoll Zeuge werden lässt der vielleicht intimsten Angelegenheit eines Menschen, dem Sterben. Ein Schmerzpunkt ist die wenig einfühlsame, deutsche Routinesynchronisation, so bitter wie der letzte Trunk.

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