Die Nacht der Nächte

Die Nacht der Nächte, das ist die Hochzeitsnacht. Da liegt Pikanterie drin. Auf die haben es die beiden Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli (Almanya – Willkommen in Deutschland) abgesehen.

Es ist auch ein Hochzeitsfilm, denn endlich darf der Vater seinen drei Jahre jüngeren „Adoptivsohn“ heiraten. Wie extravagant. Das wird auf der Musikspur, einer leicht lüpfigen Zupfmusik, noch unterstrichen, dieses spezielle Interesse an Liebesbeziehungen, die durch Heirat befestigt und amtlich werden und die jahrzehntelang halten, 50, 60 Jahre und mehr.

Die beiden Filmfrauen haben weitherum gesucht. Fündig geworden sind sie in Japan, in Indien, den USA und in Deutschland. Das erinnert vom Prinzip her an jene ratlosen Filmemacher, die als Filmidee hatten, Fahrschüler aus aller Welt zu portraitieren. Die konnten auch schön in der Welt rumreisen.

Für diesen Film haben sie Paare ausgesucht, die gutsituiert sind und in eigenen Häusern wohnen (wobei das Haus oder die Wohnung beim indischen Paar im Hintergrund bleibt).

Der Film ist ein doppelter Anachronismus. Er dokumentiert Paare, die bis zur Ehe keusch gelebt haben, daher das Aufregende der Hochzeitsnacht, und die sich jahrzehntelang die Treue gehalten haben. Und er ist ein Anachronismus, als im Kino nichts langweiliger ist, als glückliche Paare und Beziehungen zu schildern. Dafür ist dieser Dokumentarfilm immerhin liebenswürdig geworden.

Die Paare erzählen ja nicht nur von der Hochzeitsnacht, das sind die Zückerchen fürs Kicherpublikum. Man sieht sie werkeln und kochen. Sie erzählen von Auseinandersetzungen, von Krisen oder dass nur das Kind die Ehe zusammengehalten habe.

Die Japaner leben in einer arrangierten Ehe. Der Inder hat eine Frau einer niedrigeren Kaste geheiratet. Der Deutsche hatte bei einem vorehelichen Zusammenliegen in einem Zelt einen Samenerguss in die Hosen, daran erinnert sich seine Frau. Die beiden amerikanischen Männer haben sich in Zeiten kennengelernt, lange bevor es die Ehe für alle gab. Und ihre Hochzeit nach dieser langen Zeit ist der moderne und gleichzeitig altmodische Höhe- und Rührpunkt des Filmes.

Die Samderelis haben sich für die postmoderne TV-bedingte Ineinanderverzopferei der Geschichten entschieden, haben diese Mode allerdings abgemildert, als sie wie Strähnen dazwischen Knetfiguren-Illustrationen geflochten haben, mit Figuren, die schön nach den dokumentierten Personen kommen, die hübsch anzuschauen sind, jedoch inhaltlich nichts hergeben; eine fixe Idee.

Die Liebe ist ein unendliches Thema fürs Kino, das hier um einen Aspekt erweitert wird.

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