Das Zeiträtsel

Underwhelmed.

I am underwhelmed“ meint Charles Wallace (Deric McCabe). Der ist ein hochintelligentes Bübchen, der kleinste in der Protagonistenfamilie, er hat so ein Gesicht in einer Mischung aus reifem Greis und Bubenpüppchen. Das macht ihn interessant für die Leinwand. Das ist wie ein Knallbrausebonbon.

Wobei mir die Kinder leid tun und ich immer ein ungutes Gefühl im Magen bekomme, wenn so ein Kleiner zu so einem großen Star mit so einer großen niedlich-süß-sauren Rolle gemacht wird, der gleichzeitig gerne den Advocatus Diaboli spielt. Exploitation of Bambinis.

Das gehört zum Kerngeschäft von Hollywoods Süßwarenindustrie, aus der dieser Film kommt, denn immer geht es um die Familie. Hier ist der Vater (Chris Pine) seit vier Jahren verschwunden. Er ist ein Wissenschaftler, der – vielleicht in einer hollywoodysierten Nachfolge von Leibniz – davon ausgeht, dass das Universum in jedem Einzelnen enthalten sei und vice versa. Mit der These erntet er zwar Gemunkel und lachende Ungläubigkeit bei einem wissenschaftlichen Vortrag. Er selbst scheint sich in seinem weitläufigen Fantasieuniversum verlaufen zu haben.

Zurück bleiben seine Frau (Gugu Mbatha-Raw), ebenfalls Wissenschaftlerin, die heftig pubertierende Tochter Meg (Storm Reid) und der kleine, große Charles Wallace. Ihnen erscheinen drei Fantasiewesen, das sind Mrs. Whatsit (Reese Witherspoon), Mrs. Who (Mindy Kaling) und Mrs. Which (Oprah Winfrey).

Diese drei Märchenfeen oder -hexen haben die Schlüssel und kennen die Wege zu diversen Hollywood-Zuckerguss- und Dunkeluniversen, in die sie die Kinder auf ihrer Vatersuche hineinschleusen.

Dies sind vorwiegend computergenerierte Fantasieuniversen, vorwiegend auf Blue- oder Greenscreen projiziert. Die Regie besorgte Ava DuVernay (Selma) nach dem Drehbuch von Jennifer Lee und Jeff Stockwell nach der Geschichte von Madeleine L’Engle.

Wundern würde mich aber nicht, wenn es sich bei diesen Namen um Pseudonyme von künstlichen Intelligenzen handelte, von Algorithmen, die von der Marktforschung beauftragt sind, Figuren (Forderung: alles müssen Püppchenmenschen sein) und Universen (sie müssen bunt, farbig und zur Abwechslung düster sein, ein All ohne „evil energy“ wäre zu langweilig) zu kreieren, die sich auf der Leinwand verkaufen lassen.

Dann haben sie herausgefunden, dass zum pubertierenden Mädchen ein halbwüchsiger Junge gefragt sei, also schicken sie den Nachbarsjungen Calvin (Levi Miller – und wie hübsch und zart sie ihm die Lippen schminken!) mit auf diese Universalreise.

Ein weiterer Algorithmus muss die Richtlinie für die Montage des Filmes gegeben haben: immer schön schauen, dass Abwechslung passiert, dass immer wieder was Neues, eine neue Farbe, eine neue Arabeske, eine neue Figur ins Spiel kommt, ein neuer Boden ins Wanken kommt, eine neue Wand aus dem Nichts entsteht, so dass der Zuschauer nicht loslassen oder eindösen kann.

Am Schluss muss die Familie selbstverständlich vereint sein und Meg soll Ansätze zum Glauben bekommen, sie würde nicht allein bleiben, von wegen Familie. I am underwhelmed.

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