Das Mädchen aus dem Norden – Sami Blod

Rassismus in Schweden.

Ein nordisch behutsamer Film zum Thema Ausgrenzung von Amanda Kernell, die ein weiteres Beispiel dafür liefert, wie hervorragend die skandinavisches Filmkultur ist und wie schön sie erzählen kann.

Jeder Mensch kennt das, wenn er einmal fremd in der Fremde ist und die Leute hören eine Differenz zum eigenen Zungenschlag und sie fragen, woher man komme. Ach, aus Lappland, Sie sind Same, können Sie maljoiken“? heißt es bei Christina.

Wer solche Situationen erlebt hat, kann bestens mitfühlen mit Christina (die faszinierend ernsthafte Maj-Doris Rimpi), die eigentlich Elle Marja heißt. Sie ist aus Lappland. Ihr Vater ist gestorben. Ihre Mutter muss sich um sie und die kleinere Schwester und um die Rentierherde kümmern.

Christina nennt sie sich, wie sie nach Uppsala durchgebrannt ist, weil sie sich Bildung verschaffen will. Lappen war die höhere Bildung verschlossen, das ist einige Jahrzehnte her.

Der Film fängt in der Heutezeit an. Elle Marja ist gegen 80 Jahre alt und kehrt zur Beerdigung ihrer Schwester in die Heimat zurück.

Dann springt der Film zurück in ihre Jugend. Schildert das Leben der Samen, einer ausgegrenzten Volksgruppe. Nomaden, denen gerade mal eine Grundschulbildung erlaubt war. Streng getrennt von den übrigen Schweden.

Elle Marja und ihre kleine Schwester Njenna (Mia Erika Sparrok) gehen den weiten Weg von ihren heimatlichen Zelten zu Fuß und im Boot ins Internat, in dem nur Mädchen sind, alle in den Samen-Trachten. Der Rassimus ist schlimm inklusive Vermessung von Körpermerkmalen. In der Schule wird ihre Heimatsprache unterdrückt, sie dürfen nicht joiken, sie müssen Schwedisch sprechen.

Der Film ist auch eine Emanzipations-, eine Rebellengeschichte. Elle Marja interessiert sich für die Lehrerin, für Bücher, sie hört von Uppsala, ihre Augen kommen von schwedischen Soldaten nicht los. Aber die Mädchen in ihren ländlichen Trachten werden mitleidig belächelt, gar verspottet.

Wie Ella Marja/Christina den Ausbruch schafft, das ist eine aufregende Story mit Eigensinn und Grenzüberschreitungen, die Amanda Kernell ganz unspektakulär und vielleicht gerade deshalb umso eindringlicher schildert, mit dem Ernst des Mädchens, das nicht Rebellin sein will, sondern sich lediglich Bildung verschaffen, einen Geburtsnachteil ausgleichen will.

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