Was hat Meister Steven Soderbergh (Logan Lucky, Side Effects, Liberace) geritten, ihn, der doch aufhören wollte, Filme zu machen, das Drehbuch von Jonathan Bernstein und James Greer zu verfilmen? Will er den beiden Nachwuchsautoren, die bisher laut IMDb überwiegend Kurzfilme gemacht haben, die Erfahrung beibringen, wie schwer es ist, einen Langfilm mit thematischer Klarheit und einem tragenden Spannungsbogen zu schreiben? Soderberghs Inszenierungshandschrift ist makellos und souverän; sie bringt Drehbuchunklarheiten deutlicher zum Ausdruck als Wischiwaschi-Inszenierungen.
Hat Soderbergh das Thema Stalking interessiert? Darunter leidet seine Protagonistin Sawyer Valentini (Claire Foy). Hat ihn interessiert, dass das womöglich mit dem frühen Verlust der Vaterfigur zu tun hat? Hat ihn vor allem das kleine Kapitel über Stalking-Prävention interessiert?
Oder hat Soderbergh mehr interessiert, wie ein Mensch in die Maschinerie einer therapeutischen Klinik hineingeraten kann und dass dabei vor allem das Geschäftsinteresse ausschlaggebend ist: solange die Krankenkassen bezahlen, so lange wird ein Patient dabehalten in der geschlossenen Abteilung?
Hat Soderbergh das dünne Nervenkostüm einer gestressten Frau, Sawyers, interessiert, das sie schnell ausrasten, unter Verfolgungswahn leiden und schnell gewalttätig werden lässt? (Wodurch die Klinik noch mehr Argumente erhält, sie hier zu behalten).
Hat ihn vor allem das abgebrüht charakterisierte Klinikpersonal interessiert, das sich gedankenlos an die Vorschriften hält? Hat ihn vor allem die Gummizelle interessiert, die theatrale Auseinandersetzung zwischen Sawyer und ihrem (vermeintlichen?) Stalker David Strine (Joshua Leonard), Einzelhaftexzesse?
Oder hat ihn das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter (Amy Irving) interessiert, dass die Mutter glücklich über das Unglück der Tochter ist, so dass sie als Mutter endlich gebraucht wird („die Kavallerie“)?
Oder hat ihn der Mord-Trieb im Stalker interessiert? Sucht Soderbergh in diesem Heuhaufen von Liebesverhinderungsthemen nach der Liebe? Eine Überladung mit all diesen Themen scheint mir das Hauptproblem bezüglich Verdaulichkeit und Genießbarkeit dieses Filmes zu sein.