Was ist Erfolg?
Über diese Frage gründelt Ben Stiller in diesem Film von Mike White skeptisch, nachdenklich und doch nicht ohne Humor, nicht verbissen.
Es geht um einen Vergleich und ums Vergleichen. Einmal die Träume, die man als Student gehabt hat. Und dann der Vergleich, was ist aus einem selbst, was aus den anderen geworden?
Ben Stiller als Brad ist wirtschaftlich und PR-mäßig klein geblieben, ist geplagt von Versagensängsten, sieht im Fernsehen oder hört vom Erfolg der anderen. Der eine ist schon in Rente. Der andere hat einen Privatjet, der dritte, Craig, veröffentlicht Bücher und ist oft im Fernsehen.
Brad hat eine kleine Non-Profit-Origanisation auf die Beine gestellt hat, die Gelder für wohltätige Zwecke sammelt. Seine Frau Melanie (Jenna Fischer) hat einen Job bei der Regierung. Der sanft-intelligente Sohn Troy (Austin Abrams) hat das College hinter sich und steht vor der Wahl, eine Universität zu finden. Die Familie lebt in Sacramento. Das ist nicht grandios zum Angeben (siehe auch den Film von Greta Gerwig, Lady Bird).
Troy möchte in Harvard studieren. Sein Vater hat auch in Boston studiert. Aber bei Tuft. Brad hält Troy für begabt. Aber sie vermasseln den Vorstellungstermin. Hängen nun in einem Hotel fest. Brad versucht, alte Beziehungen zu reaktivieren, um seinem Sohn zu einem Vorstellungsgespräch zu verhelfen.
Die Frage über allem ist die, wie definiert sich Glück, wie Selbstsicherheit, wie Erfolg. Brad trifft sich mit dem erfolgreichen Craig (Michael Sheen) in einem Restaurant. Brad ist als erster da, bekommt einen wenig begehrten Tisch direkt neben dem Küchenzugang. Wie der fernsehbekannte Craig kommt, setzt der sich gleich an einen (guten) reservierten Tisch und die Bedienung ist äußerst zuvorkommend, obwohl Craig vorher nie hier gewesen ist. Die Fernsehberühmtheit machts. Das lässt Brad frustriert aussehen.
Die Diskussion geht um die Erwartungen von damals, leuchtet hinter die Kulissen von diesem und jenem Erfolg; streift das Statusdenken, lässt die Frage nach dem Glück im Raume schweben. Ist es nicht schon Glück, gesund zu sein, überhaupt zu leben?
Andererseits ist es beneidenswert, wenn einer schon mit 50 in Rente geht, auf Hawai High-Life hat mit zwei attraktiven Frauen?
Der Sohn von Brad ist eine wunderbare Figur, wirkt viel abgeklärter, höflicher und cooler, Symbol einer wenig aufgeregten Jugend und doch erstaunt, wie der Vater ihm Schwächen eingesteht.
Ben Stiller dürfte mit dieser Figur Repräsentant für Millionen intelligenter, gebildeter Menschen sein, die sich zu Beginn ihres Studiums viel zugetraut haben, für sich vieles für möglich gehalten haben; die aber nicht im Rampenlicht stehen, die ruhig an dieser oder jener Stelle wirken, bei denen vielleicht auch die Lust und die Liebe aus dem Leben verschwunden sind, wo es nur noch darum geht, wie finanzieren wir das Studium unseres Sprößlings, damit der ein besseres Leben haben kann (dazu gibt es ein Gespräch zwischen Brad und seiner Frau Melanie nachts hinsichtlich allfälliger Erbschaften beim Tod der Eltern).
Materialismus und Glück. Das Versagergefühl. Brad führt offenbar nicht das Leben, das er sich vorgestellt hat. Die Upgrade-Szene für den Flug nach Bosten steht symbolisch dafür.
Siehe auch den Film über Getty und die Frage des Reichtums von Ridley Scott, Alles Geld der Welt. Auch gesteht Brad sich die Angst vorm Erfolg des Sohnes ein, was, wenn der eine größere Karriere macht, wenn der berühmt wird? Ach, diese blöde Vergleicherei – und das bescheidene Gegenargument, Hauptsache noch am Leben zu sein, was vermutlich die deutsche Titelung signalisieren will; während der Original Titel „Brads Status“ das Problem anspricht und nicht die Verlegenheitslösung.