Kathrin Hartmann ist Journalistin und Autorin. Sie ist argumentenstark beschlagen zum Thema Nachhaltigkeit und wie die Industrie es lügenhaft zu Werbezwecken einsetzt.

Mit Karthrin Hartmann jettet der Dokumentarist Werner Boote – mit unvermeidlichem ökologischem Fußabdruck – um die Welt auf der Suche nach den Katastrophen, die hinter dem von der Industrie verwendeten Begriff der Nachhaltigkeit und dem Label „grün“ stehen.

Hartmann und Boote treffen sich in Wien, schauen bei der Verleihung des Sea-Award vorbei; starten dann zu einem Langstreckenflug nach Sumatra und Bali. Dort gibt es Brandrodungen zu besichtigen und die Nachfrage beim Palmölproduzenten, wie das mit der Nachhaltigkeit zu vereinbaren sei. Solches Nachbohren verläuft meist so ab, dass die Sprecher der Firmen sich in Floskeln vernuscheln.

Die beiden Weltreisenden haben sich für ein günstiges Round-the-World-Ticket entschieden, in dem noch eine freiwillige Klimaspende dabei sei; was den Treibstoffausstoß ihrer Flugzeuge nicht mindert.

In Bali gilt es, einer Konferenz von Palmöl-Produzenten beizuwohnen. Dann machen sie rüber in die USA nach Louisiana am Golf von Mexiko. Dort spült das Meer täglich giftige Teerklumpen an den Strand. BP behauptet, es hätte sein Teil zur Reinigung beigetragen. Boote jedenfalls tankt nie mehr bei BP. Er vergiftet wohl inzwischen die Luft mit Benzin von anderen Herstellern.

In Boston gibt’s ein Picknick mit einem geistesschnellen Professor aus Indien und als touristisches Schmankerl kommt ein Besuch bei einem Künstler, dem König des Schrotts, hinzu.

Es folgen Kohletagabbau in Garzweiler in Deutschland. RWE macht damit seinen Profit und der Feinstaub ist bis Skandinavien nachweisbar. In der RWE-Werbung dominiert das Grün. Nach Garzweiler fahren sie im Tesla, dem dort prompt der Strom ausgeht; Kathrin Hartmann nutzt das, um die mit dem E-Auto verbundenen ökologischen Lügen aufzudecken.

In Brasilien schließlich suchen die beiden Dokumentarreisenden Kontakt zur indigenen Bevölkerung, die dabei ist, sich Farm um Farm von Rinderzüchtern zurückzuhohlen, die sie illegal auf ihrem Stammesgebiet errichtet hatten.

In Boston fordert Noam Chomsky den Dokumentaristien auf, wenn er etwas verändern wolle, selbst eine NGO zu gründen (dieser bleibt aber lieber beim Filmen; ist wohl angenehmer). Chomsky verweist historisch auf die nachhaltigen Folgen solchen Vorgehens, das bei der jetzigen dominierenden Struktur der kapitalistischen Konzerne diese ablösen werde.

Dabei könnte Boote viel Zeit, Geld und vor allem ökologischen Fußabdruck sparen, wenn er seinen Film am Computer zusammenstellte und die Interviews über Skype führte und das Bildmaterial sich übers Internet schicken ließe. Der Infogehalt samt Bildmaterial zur Belegung seiner Thesen wäre bei der heutigen Technik nicht weniger kinoreif herzustellen und er hätte mehr Zeit für gründlichere Recherche für die Kausalzusammenhänge inklusive unser Verbraucherverhalten.

Aber wir brauchen diese Filme, solange wir s & m kaufen und lutschen, solange wir Produkte von Unilever, die mit Palmöl verarbeitet sind (hier gibt es keine Nachhaltigkeit) im Supermarkt einkaufen, solange wir automobil unterwegs sind oder Strom von RWE benutzen oder Öl von PB tanken oder Rindersteaks aus Brasilien verzehren. Gesucht wird eine neue Lebensweise, die Macht der Konzerne muss gebrochen werden. Aber solange wir uns gierig auf deren Produkte stürzen, so lange geben wir ihnen die Macht. Bilder von der Macht von Demos zieren den Abspann diese kurzweiligen Öko-PR-Filmes.

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