The Florida Project

Mit Tangerine L. A. hat Sean Baker, der auch hier wieder mit Chris Bergoch das Drehbuch geschrieben hat, eine atemberaubende Studie aus dem Transenmilieu gelifert, fast in Hautkontakt mit seinen Protagonisten und deren kinofreundlichem Hang zum Exhibitionismus.

Im vorliegenden Florida Project schaut er an die Schmuddelränder von Disney-Land. Hier inszeniert er Lebensverhältnisse der Armut, die in aufgelassenen Disneyland-Brachen und direkt neben einem Heliport gedeihen. Ein Motel, das zur Armenbehausung umfunktioniert wurde, ist der zentrale Spielort und weitere solche Bauten, verlassene Disneyland-Ruinen neben dem prosperierenden aktuellen Disneyland.

Er inszeniert seine Armutsdarsteller immer einen Tick zu dick (vielleicht schwebte ihm noch Tangerine vor), so dass der Film wirkt wie ein Exploitation-Movie in Pink und Türkis, Disneylandresterampenploitation, denn alle Bauten und Kostüme sind überwiegend in diesen beiden Kinderfarben gehalten.

Kids aus gestörten Familienverhältnissen leben in diesem Motel; sie machen ständig Streiche, beobachten mit Argusaugen, was vor sich geht, blaffen eine Blondine im Pool von Balkon aus an, sie solle ihre Bananen zeigen, spucken auf Autos, zünden ein leerstehendes Haus an. Ständig ist die Furcht präsent, rausgeschmissen zu werden oder dass die Kinder von den staatlichen Behörden weggenommen werden.

Die Mutter von Mooney kauft Parfüm im Großhandel ein und verscherbelt es an Disneytouristen. Die Kids streifen vor den Wohnungen des Motels und geben eine soziologische Führung, sie wissen genau, was hinter jeder Tür passiert und wie die Verhältnisse sind.

Es herrscht ein Anfliegen und Wegfliegen von Helikoptern. Es gibt verlassene Attraktionen und die Mutter eines anderen Kindes arbeitet in einem Imbiss. Hier gibt’s ab und an Gratis-Essen.

Der Hausmeister Bobby (Willem Deafoe) hat alle Hände voll zu tun und muss aufpassen, dass er nicht das Klischee vom bösen Hausmeister erfüllt, dass er Restmenschlichkeit zeigt und praktiziert.

Halley (Bria Vinaite), die Mutter von Moonee, ist die Hauptfigur, die sich durchkämpft. Die Mütter rauchen wie die Schlote. Ein Flitterwochenpaar verirrt sich ins Motel oder es gibt Randale davor. Es ist ein bildsüffiges Elend durch diese kinderfreundliche Colorierung, aber auch voller Zynismus, kinokulinarisches Elend.

Immer fallen Baker und Bergoch neue Situationen ein, was noch in so einem traumhaft verführerischen Setting passieren könnten, in dieser Disney-Randexistenzen-Exploitation: Geldschnorren für Eis, im feinen Hotel frühstücken à Discretion und cool sagen: Zimmer 323, Stromausfall und Regenbogen oder eine Eismaschine muss deutlich overacted durch die Flure bewegt werden. Die Armut als ein unerschöpflicher Pool für Kinoideen und für ein Kinobilderfest.

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