Dreisprung

In einer ausgeräumten Fabrikhalle macht Moderator Alexander Thamm mit seinen Gesprächspartnern einen gewaltigen Dreisprung von den Anfängen der Industrialisierung über die Digitalisierung bis zur (hoffentlich) humanen Arbeit von morgen.

Je ein Drittel einer halbstündigen Folge dieser Serie „Megatrends im Dialog“ (Buch und Regie: Werner Kiefer, Redaktion Daniel Schrenker nach Idee und Konzept von Werner Kiefer und Kristina Förtsch) ist für einen Hallenspaziergang mit je einem qualifizierten Gesprächspartner reserviert. Dabei sind an verschiedenen Stellen Bild- und Anschauungsmaterial vorbereitet. Als Abschnittsmaterial sind „Making-Of“-Bilder dazwischen geschnitten und es kann auch einen Voice-Over-Kommentar geben. Am Schluss halten Moderator und Regisseur eine kurze Manöverkritik.

Ralf Spicker, Kurator am Deutschen Museum, bringt einen Kurzabriss von der frühen Industrialisierung von Norm und Roboterhaftigkeit der Arbeit (Arbeit so gefährlich wie Krieg) über den Taylorismus (Optimierung und weitere Rationalisierung) bis zum Widerstand dagegen und Gründung der Gewerkschaften. Er führt mit dem Feilenhauer ein Beispiel für einen Beruf an, der durch die Industriealisierung überflüssig geworden ist.

Die Soziologin Sabine Pfeiffer befasst sich mit der aktuellen Zeitenwende, der Digitalisierung. In der Fabrik sitzt heute nur noch ein hochqualifizierter Facharbeiter und überwacht die Arbeit von Robotern. Pfeiffer spricht von den modernen Klick-Workern, die schlecht bezahlt sind und an die anonyme, hochentfremdete Arbeit in den Fabriken der Frühzeit der Industrialisierung erinnern. Von da schwenkt sie zum Thema bedinungsloses Grundeinkommen und der gerechten Verteilung der Gewinne im digitalen Zeitalter. Sie schätzt, Karl Marx würde wohl meinen, er habe in vielem Recht behalten.

Der Psychologe Markus Väth befasst sich mit dem Paradigmenwechsel im Hinblick auf den Stellenwert der Arbeit und referiert auf Frithjof Bergmann und die Vereinbarkeit von Humanismus, Arbeit und Lebensqualität im Hinblick auf die Arbeit von morgen, die Idee eines menschenfreundlichen Kapitalismus.

Ein ansprechendes und inspirierendes Sendeformat ganz im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkes, wobei einschränkend hinzugefügt werden muss, der natürlich auch fair finanziert werden sollte, nach einem Steuerprinzip und nicht nach dem Haushaltsprinzip, was einkommensschwache Haushalte schwer belastet und einkommensstarke Haushalte praktisch ungeschoren davon kommen lässt. Ein Thema, dessen sich gerade so ein Sendeformat annehmen sollte, wenn es denn eine gerechtere Gesellschaft auf dem Radar hat und nicht zuletzt im Hinblick auf ein Überleben des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes selbst.

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