Präsident Roosevelt ist entlaufen, das ist ein Thema in einem kleinen Städtchen im Süden der USA in einer heißen, ariden Gegend mit Kakteen, die in den Himmel ragen als eigenknorrige Gewächse.

Präsiden Roosevelt ist die über 100jährige Schildkröte von Howard (der berühmte Regisseur David Lynch spielt ihn). Ihn beschäftigt nur, ob die Schildkröte ihren Ausbruch geplant habe und ob er ihr möglicherweise zu wenig Freiheit gelassen habe. Das ist eine der Geschichten, die den schmucken und individuellen Rahmen dieser einzigartigen Hommage – und gleichzeitig ist sie Vermächtnis – an den amerikanischen Schauspieler Harry Dean Stanton abgeben.

Stanton spielt, es wird seine letzte und eine der wenigen großen von den 200 Rollen laut IMDb sein, den Eigenbrödler Lucky, 90 Jahre alt, wie er selbst, der allein wohnt, zuhause in weißem Unterhemd und weißer Unterhose rumhängt, nie verheiratet war, keine Kinder hat (nach seinem besten Wissen), der immer allein, nie aber einsam war.

Er hält sich fit durch Turnübungen, hat einen geschmeidigen Gang, bewegt seinen Körper leicht. Er schaut Fernsehquiz, löst Kreuzworträtsel mit Lexikon, räsonniert in diesem Zusammenhang darüber, ob Wahrheit ein Ding sei, trinkt Milch und raucht.

Der Arzt findet nach einem Schwindelanfall nichts, außer, dass er alt sei, und nicht mal das Rauchen aufzuhören kann er ihm empfehlen.

Luckys Lebensroutine führt ihn von seinem außerhalb gelegenen Haus in das Städtchen, in den kleinen Kramerladen einer Mexikanerin, in die Kneipe und in Elaines Bar, in welcher Geschichten und Freundlichkeiten ausgetauscht werden.

Wenn er auf dem Weg bei Eve’s Garten vorbeikommt, knurrt er jedes Mal ein unfreundliches „Fotze“ (amerikanisch Cunt, kommt besser) und in der Kneipe begrüßt er den Wirt mit „Du bist nichts“.

Mit einem Marine kommen Gespräche über die Kriegszeit auf. Der Sohn der Mexikanerin heißt Juan und Lucky weiß, dass das John wie John Wayne entsprechen würde. Zum Geburtstag des Buben ist er auf die Fiesta der mexikanischen Familie eingeladen, Mariacchis spielen auf und Lucky singt ein mexikanisches Lied.

Gegen Ende des Filmes raucht er eine letzte Zigarette, wirft einen letzten Blick in die Kamera, zu seinem Publikum wie zur Verabschiedung. Der Unterschied zwischen Spiel und Leben löst sich in diesem Alter auf. Gemäß seiner Sätze im Film ist er jetzt im Nichts gelandet.

Dieses ganz persönliche, individuelle Porträt eines alten Mimem stammt von John Carroll Lynch. Das Drehbuch haben Logan Sparks und Drago Sumonja geschrieben. Die Hinterlassenschaft ist ein „Ungatz“, auch ein Wort aus dem Film, ein Nichts, man könnte hinzufügen, der Name des Schauspielers ist in Wasser geschrieben. Es geben dem alten Mimen bei dessen Abschied die Ehre als Spielpartner Ron Livinston als Bobby Lawrence, Ed Begley Jr. als Dr. Christian Kneedler, Tom Skerrit als Fred Sparks von der Marine, Beth Grant als Wirtin Elaine und David Lynch als Howard.

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