Heute ist sie Tierschutz-Welt-Prominenz: Jane Goodall.

Wie sie sich das verdient hat, zeigt dieser Film von Brett Morgan in berauschendem Farbfilmmaterial, das Hugo van Lawick in den 60ern in Afrika im grünen Gombe von ihr und den Schimpansen im Urwald geschossen hat.

Die junge Jane Goodall, um die 30, stets in Khaki-Shorts und akkurat gebügeltem Kurzarmhemd, eine Umhängetasche um, die Haare streng gekämmt, den hockonzentrierten Blick voraus auf den Dschungel vor ihr und ob sich etwas bewegt, steigt sie barfuß oder mit Turnschuhen über Baumstämme, stapft durch Wasser, sitzt hinter einem Fernrohr oder hat den Feldstecher in der Hand. Die Szenen sind nachgestellt, entwickeln gerade dadurch einen berührenden Charme, denn Goodall ist schon in den 50ern nach Gombe gegangen; der National-Geographic-Fotograf wurde aber erst in den frühen 60ern damit beauftragt, sie und die Schimpansen fotographisch festzuhalten.

Es ist die Erfüllung von Janes Kindheitstraum im schrulligem, britischen Elternhaus mit viel Park drum herum und Assemblagen von Tierfiguren: ihr Leben im afrikanischen Dschungel mit Tieren zu verbringen. Ohne, dass sie diesem Traum hinterhergejagt ist.

Der Vorspann des Filmes erzählt in knappen Sätzen, wie es dazu gekommen ist. Goodall ist 26 und arbeitet als Sekretärin bei Dr. Louis Leakey. Der bemüht sich um die Finanzierung der Feldforschung an Menschenaffen in Afrika, über die so gut wie nichts bekannt ist. Dafür sucht er jemanden mit einem offenen Geist, einer Leidenschaft für Tiere und einer ‚monumentalen‘ Geduld und der nicht in wissenschaftliche Dispute, Vorurteile und Intrigen involvliert ist. Er entscheidet sich für seine Sekretärin, deren lebenslange Leidenschaft für Tiere ihm bekannt ist.

Goodall hat weder ein wissenschaftliches Studium noch einen entsprechenden Abschluss vorzuweisen. Der Filmer Hugo van Lawick begleitet sie in den 60ern und schießt über 100 Stunden Material, das inzwischen verschollen geglaubt wurde. 2014 wird es wiederentdeckt und daraus hat Bett Morgan diesen Film gemacht, der in berauschenden Bildern von den ersten Studien über die Menschenaffen berichtet und was damals Naturfilmerei schon vermochte.

Die Archivaufnahmen sind immer wieder unterschnitten mit einem eigens zu diesem Film gemachten Interview mit Jane Goodall, die von heute aus über diese Anfänge und die Folgen erzählt.

Es kommen auch variierende Kapitel hinzu, Footage aus der Serengeti, als die Gelder von National Geographic nicht mehr für die Schimpansen flossen und ihr Mann Serengeti-Reportagen machen sollte. Dabei auch beider Sohn, denn inzwischen hatten sie geheiratet.

Es kommen die traurigen Kapitel vor mit der Polio-Epidemie bei den Schimpansen, und vorher schon deren Verwüstungsaktionen im Camp, wie sie immer zutraulicher geworden sind.

Jeder Idealist, und als Idealistin hat sie bestimmt angefangen aus reinem Interesse am Leben der unerforschten Schimpansen, gerät irgendwann in Konflikte. Meistens haben diese mit Geld zu tun. Auch Jane sinniert, dass das Forscherstipendium für Gombe auf ein halbes Jahr ausgelegt war – 5 frustrierende Monate lang hat sie keine merklichen Fortschritte in der Annäherung an die Schimpansen gemacht – und sie wusste, sie muss mit auffallenden Ergebnissen aufwarten, um die Geldquellen weiter fließen zu lassen.

Das gelingt ihr mit dem Nachweis, dass Schimpansen instrumentenfähig sind, indem sie einen Grashalm in einen Termitenhaufen stecken und damit Insekten rausfischen, die sie essen. Der Nachteil der Sensation ist, dass sie Sensation macht. Der Vorteil der Sensation ist, dass sie wieder Gelder locker macht.

Deshalb stellte ihr National Geographic den Fotografen Hugo von Lawick zur Seite, damals einer der revolutionärsten Naturfotografen. Aber die Publizität lockt mehr Forscher an, Studenten, Beobachter, es gibt mehr Betrieb. Und die Polioepidmie. Traurig zu sehen, wie die Schimpansen lahmen – aber Goodall weist im heutigen Interview jede Verantwortung von sich. Money makes the world go round.

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