Die beiden Drehbuchautoren Miguel Alexandre und Joseph Hader (ersterer auch als Regisseur zuständig und letzterer als Hauptdarsteller) scheinen viel unterwegs zu sein im Flugzeug und im Mietauto. Deshalb fangen sie ihren Film mit reisekritischen Szenen im Flugzeug (nach Amsterdam) und am Mietautcounter (in Amsterdam) an.

Hader will als Arthur aus Wien sich in Holland von seinem Freund Dr. Sebastian Hofer (Rainer Bock), mit dem er aus trickreichen Gründen die Adressen tauscht, einen lebensbeendenden Medikamentenschuss setzen lassen.

Im Flugzeug wird die erste Klasse kritisch beäugt, da hier ein unbegleitetes Kind mitfliegt, das Ansprüche an seine Mitreisenden stellt und Arthurs Sektglas umkippen lässt. Hader spielt den miesepetrigen Misanthropen wie schon in Wilde Maus.

Auch am Counter des Leihautovermieters gibt es Probleme, da der gewünschte BMW nicht vorhanden ist.

Angesichts des bevorstehenden Todes sind das belanglose Alltagserschwerungen (oder erst recht von Belang?). Jedenfalls nutzt Arthur sie nicht, um daraus kommunikatives Potential zu ziehen, das wäre ja gegen die Rolle und deren Intention, sich von der Welt zu verabschieden (wegen irreversiblen Kehlkopfkrebses).

Das Drehbuch nach einem Theaterstück von Stefan Vögel kennt vielleicht auch den Film A long Way down mit Pierce Brosnan. Hier kommen sich verschiedene potentielle Selbstmörder ins Gehege.

Bei Vögel/Alexandre/Hader ist es eine Frau, Claire (Hannah Hoekstra). Auch sie möchte ihrem Leben ein Ende setzen. Deshalb dreht sie in ihrem Hotelzimmer die Musik auf volle Lautstärke. Arthur im Zimmer daneben, noch ganz irdisch und irgendwie auch spießig, regt sich nicht nur über den Lärm, sondern auch über die gespielte Musik auf, reklamiert und entdeckt ihre Tabletten und will ihren Selbstmord verhindern.

Arthur und Claire werden die Nacht zusammen verbringen und die anfängliche ZynCom (zynische Komödie) wandelt sich sanft in eine am Schluss anrührende RomCom.

Die Dialoge lassen immer wieder den Kabarettisten durchschimmern. Ein Witz über zwei suizidierende Jazzer, die sich von einem Dach herabstürzen, wird erzählt, der seine Pointe aus dem Begriff Timing und dem Aufschlags-Klack-Klack bezieht. Oder St. Pölten muss als Pointe für Provinz als österreichischem Pendant für den Herkunftsort von Claire herhalten. Lachen auf abgesenktem Niveau.

Amsterdam wird präsentiert nicht nur mit seinen Grachten, Rikschafahrt, auch die Haschbar (mit Alkoholverbot) kommt vor, eine Bar, ein Restaurant, eine Disco, Orte, an denen potentielle Selbstmörder offenbar ihre letzte Nacht verbringen. Ihre Frage, ob er eine Liste gemacht habe mit Dingen, die er vermissen werde, beantwortet er mit einer Aufzählung von Dingen, die er nicht vermissen werde, die sich doch recht alltagsmodernistisch anhört. Und es gibt die leicht angegraute, sprachchauvinistische Bemerkungen vom „Rudi-Carrell-Akzent“ – wer war Rudi Carrell nochmal?

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