Gegen Rate- und Quizsendungen, die Allgemeinwissen abfragen, ist nichts zu sagen. Das hat das Privatfernsehen mit „Wer wird Millionär“ höchst erfolgreich bewiesen.

Die Deutschen sind ein wissensdurstiges Volk, die Bayern wohl auch. Darum hat der BR jetzt einen Abklatsch davon nacherfunden und noch mit Motiven aus früher altbewährten Samstgabendfamilienshows dazu gemixt: der Kampf zweier Gruppen, hier zweier Männer gegeneinander (wobei die Wissensabfragerei nur einen kleinen Teil ausmacht).

Das ist sicher passable Unterhaltung. Ist aber in einem zu Lasten einkommensschwacher Schichten zwangsfinanzierten öffentlichen Fernsehen keinesfalls zu rechtfertigen, umso mehr als es zwei Menschen aus dem Showbusiness sind, ein Musikant als Pfundskerl, ein Daniel Neuner, und ein Moderator als Mannsbild, Florian Wagner, der uns bereits in einer höchst fragwürdigen Sendung mit dem Verdacht der Pfründenplünderei aufgefallen ist (Milberg-Wagner, und hier) (von stefe als ‚Mannsbild‘ charakterisiert).

Das verbreitet wieder dieses Pfründengerüchlein, was unangenehm ist. Sonderlich originell ist das nicht, eher (linkische?) Werbung für die Veranstaltungen, die besucht werden: die zwei nach einem Tagescrashkurs in Samba am größten Sambafestival, wie es heißt, außerhalb Brasiliens, in Coburg vor 20′ 000 künstlich zum Applaus animierten Zuschauern (deutlich nur die vorderen Ränge) Samba tanzen zu lassen.

Am interessantesten sind die beiden als Schulbuben im einem alten Klassenzimmer in einem Schulmuseum. Hier müssen sie Fragen einer strengen Lehrerin beantworten. Da geht man mit, überlegt sich, ob man selbst so gewieft sei und auf einer stummen Karte Ortschaften und Sehenswürdigkeiten in Bayern anhand von Flussläufen punktgenau einzeichnen könnte.

Das Toreschießen am Ende zieht und zieht sich in die Länge und es ist nicht verständlich, warum diese Kategorie am höchsten bewertet wird.

Bescheiden epigonales Format, hat im zwangsgebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundunk, der nach einer Steuer zulasten der Einkommensschwachen finanziert wird, nichts zu suchen. Den Verantwortlichen scheint jegliches Bewusstsein für die der Finanzierung ihres Tuns zugrunde liegende Ungerechtigkeit abzugehen. Gewissenlose Hanseln.

2 Antworten zu “Mannsbild & Pfundskerl – Das Duell durch Bayern (Folge 1) (BR, Montag, 5. März, 2018, 20.15 Uhr)”
  1. deciminyan sagt:

    Besonders traurig an der Geschichte ist doch auch die Besonderheit in Bayerns, dass es dort gemäß Landesverfassung kein Privatfernsehen gibt, sondern auch diese Sendung im Programmfenster von Sat1 im Grund öffentlich-rechtliches Fernsehen ist. Privatanbieter können in Bayern nur unter dem Dach der öffentlich-rechtlich organisierten Landesanstalt für Neue Medien tätig werden“ (Zitat Bundeszentrale für politische Bildung), die dann die Produktion der Sendungen quasi beauftragt. Unabhängiger Journalismus geht wirklich anders. Andererseits natürlich: Was hat Privatfernsehen überhaupt mit Journalismus zu tun?

  2. stefe sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis, deciminyan, das ist bemerkenswert!

    (Rein theoretisch müssen sich Privatfernsehen und Journalismus, resp. und unabhängiger Journalismus, ja nicht ausschließen. Unabhängiger (Recherche)Journalismus kann auch ein Geschäft sein. Mindestens im Printbereich erzählt das aktuell im Kino der Spielberg-Film „Die Verlegerin“.)

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