Dem Kinogaumen geschmeichelt – mit Substanz.

Die Presse soll den Regierten dienen, nicht den Regierenden. … Die Presse wurde geschützt, damit sie Regierungsgeheimnisse aufdecken und das Volk informieren kann. Nur eine freie, uneingeschränkte Presse ist in der Lage, Täuschungsmanöver der Regierung aufzudecken. …“ Zitat aus dem Presseheft aus dem Urteil des obersten Gerichtshofes der USA: New York Times gegen die Vereinigten Staaten von Amerika 403 U.S.712. Auszug aus dem Urteil von Richter Hugo Black.

Dieser geschmeidig-süffige Film von Steven Spielberg erzählt nach dem Drehbuch von Liz Hannah und Josh Singer die Geschichte der Pentagon-Papiere, einer frühen Variante des Whistleblowings, aus der Sicht der Washington Post und ihrer Herausgeberin Katharine Graham (Meryl Streep) und ihres Chefredakteurs Ben Bradlee (Tom Hanks).

Graham ist durch den Tod ihres Gatten völlig unerfahren in diese Position geraten und hat gerade den Börsengang zu meistern, weil die Washington Post über ihre regionale Bedeutung hinauswachsen möchte: Wachstum und Qualtät als Garanten von Profit.

Nachdem der New York Times die Publikation dieser brisanten Papiere untersagt worden ist und diese ihrer Zeitung zugespielt worden sind, entschließt Graham sich, hohes Risiko, die Papiere zu publizieren.

Diese enthalten streng geheimes Regierungsmaterial, was aufdeckt, dass vier Präsidenten hintereinander permanent über den Vietnam-Krieg gelogen und so unendlich viele Menschenleben ihrer Politik geopfert haben, um nicht zuzugeben dass der Krieg ein Fiasko wird.

Der Film ist ein deutliches Votum für die Pressefreiheit und gleichzeitig eine Liebeserklärung an die freie Presse und auch ein kinematographischer Spaß, zu zeigen, wie in den frühen 70ern noch Zeitungen gedruckt worden sind.

Das versteht Spielberg, solche Vorgänge kinematographisch spannend im Kontext zu schildern. Dabei wird er großartig unterstützt von der irre agilen Kamera von Janusz Kaminski. Die Schnittmeister fügen die Bilder in einem Guss aneinander.

Wobei die Position der Kamera immer diese diskrete des Zwar-Dabeiseins, Sich-aber-nicht-Wichtigmachens einnimmt, eine Kamera die die Figuren nicht zu einsamer Heldengröße einfängt, sondern sie lieber in ihrem menschlichen Umfeld als eine unter anderen agieren lässt.

An die Freiheit und Aufgabe der Presse zu erinnern, schadet auch hierzulande nichts; hat doch die Regierung bis heute Akten zum Oktoberfest-Attentat nicht rausgerückt und wie steht es mit der Veröffentlichung von Papers über das Verhalten der Geheimdienste im Zusammenhang mit den NSU-Morden? Auch der Begriff ‚Lügenpresse‘, allein dass es ihn gibt und auf welch große Resonanz er stößt, darf als Hinweis auf die Wichtigkeit dieses Filmes gesehen werden, wobei unter den Begriff Lüge eben auch Kungelei/Kumpanei zählt, wenn Journalisten mit dem Bundespräsidenten mitfliegen dürfen, fühlen sie sich automatisch verpflichtet, gut über ihn zu schreiben, nur als ein Beispiel. Bittschön: die Presse hat die Regierenden zu kritisieren und nicht ihr Sprachrohr zu sein!

In seiner feinen Erzählweise tut Spielberg dem Zuschauer garantiert nicht weh, hält ihn auf Distanz, wie mit einem Weichzeichner; ein weicher Thriller, aber nichtsdestotrotz prima nachvollziehbar, so als ob er die Vorgänge entrückt wie durch Plexiglas beobachten kann. Der Zuschauer als diskreter Zaungast. Ihm wird nichts aufs Auge gedrückt; da ist Spielberg ein viel zu feiner Herr.

Der Film fängt mit Szenen in Vietnam an, mit Dan Elsberg, der dort dabei war und in Washington Zugang zu all diesen geheimen Akten hatte und die er in enormer Arbeit Seite für Seite heimlich fotokopiert hatte – eine höchst riskante Angelegenheit.

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