Archiv für 8. Februar 2018

Extreme. Der alle überragende Film kommt aus den Philippinen. Aus Dänemark und den USA gibt es Architektur, die gründlich umkrempelt. Indianerreservate ohne Vermisstenregister. Glück im Audi und in der Ehe. In reproduktikonsfähigem Alter und keine Kinder. Aus Katastrophen Kohle schlagen. Das bürgerliche Berliner Juristen-Leben hinter sich lassen. Auf DVD aus der familiären Anarchie in den Metropolen-Journalismus aufgestiegen. Und im Fernsehen gab es individuelle Gesichter zu einer politisch brisanten Zahl.

Kino
THE WOMAN WHO LEFT
Wie umgehen mit einem Unrecht, das einem das Leben zerstört hat?

BIG TIME
Diese ungenutzen Hausdächer! Architektur statt Comics, war kein schlechter Entscheid von Bjarke Ingels.

WIND RIVER
Nach SICARIO und HELL OR HIGH WATER der dritte Teil einer Trilogie aus dem ausfransenden Süden der USA; jetzt hat sich der Autor auch als Regisseur versucht.

FIFTY SHADES OF GREY – BEFREITE LUST
Werbung für Glücksprodukte vom Auto übers Spielzeug bis zur wahren Liebe.

DINKY SINKY
Ihr Kinderlein kommet…
Double Income No Kids Yet – Single Income No Kids Yet.

PLAYING GOD
Mit Gottgleichheit hat das erfolgreiche Geschäftsmodell dieses New Yorker Anwalts grad gar nichts zu tun, eher mit Krämertum.

FREIHEIT
Diese Freiheit ist deutschkopfig-drehbuchlastig.

DVD
SCHLOSS AUS GLAS
Die Eltern obdachlos, die Tochter erfolgreiche Kolumnistin.

TV
NÄCHSTE STUNDE ZUKUNFT
Adabei-Doku über drei Übergangsschüler in München.

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Ein bayerischer Heimatfilm.

Bayerische Zuschauer können sich in diesem dritten Teil in der Regie von James Foley nach dem Drehbuch von Niall Leonard nach dem Roman von E L James zuhause fühlen, so massive Audiwerbung ward selten in einem Kinofilm.

Die Audis erinnern pausenlos an Staatsanwaltschaft, Razzien, Abgasmanipulation, Dieselskandal. Und sie transportieren, fahren, retten kraftvoll und zuverlässig vor Verfolgung das andere Produkt, was hier beworben wird: das Glück.

Das Glück in seiner speziellen Ausformung, wie die Glücksindustrie es gerne präsentiert, wenn sie Juwelen oder Hochzeitskleider oder Klamotten oder Hygiene- und Liebesaccessoires verkaufen will mit schönen Menschen, die die Produkte und mit ihnen das Gefühl von Glück transportieren: Glück der Schönen und Reichen in Luxushotels, Luxuswohnungen, Privatjets oder Yachten und immer bewacht von Bodyguards.

Und makellos schöne Menschen, die dieses Glück repräsentieren: Dakota Johnson als Anastasia (auf Deutsch gesprochen als Anastejsche) Steele und Jamie Dornan als Christian Grey, der oft seinen muskulösen Oberkörper nackt vorführen darf, ein Superreicher.

Mit Impressionen von der Traumhochzeit fängt der Film an. Aber das Glück muss auch für den Zuschauer erträglich bleiben, dunkle Töne schleichen sich ein, Vergangenheiten melden sich, Misstrauen kommt auf. Jack Hyde (Eric Johnson), der sich vom Schicksal ungerecht behandelt fühlt und diesem ausgestellten Glück nicht wohlgesonnen ist, stellt sich ihm entgegen, will es vernichten.

So weit kommt es nicht. Aber Jack bleibt eine Gefahr. Er brockt dem Film eine Kidnapping-Geschichte ein, die ihn in die Nähe biederer TV-Unterhaltung rückt.

Doch der Zuschauer – oder viel eher die Zielgruppenzuschauerin – kapiert: reich sein ist zwar schön zum Zuschauen, aber zum Sein möchte sie vielleicht doch nicht tauschen, immer diese Body-Guards oder das Personal um einen rum, immer dieses Unsicherheitsgefühl.

Es ist jetzt nicht unbedingt ein schwieriger Film, er trumpft auf mit einem starken Augenmerk auf dem Design, dem Interieur, den Autos, den schönen Menschen – dazwischen noch kurze Blicke ins „Spielzimmer“ – und letztlich der Message, dass die Liebe siegt und zu neuem Glück führt, was ja ihr Zweck ist. Wie Gleitgel wirken die Feelgoodmusik und die erstklassig deodorierte deutsche Synchro.

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Ein ambitioniertes Projekt von Autor Taylor Sheridan: die Frontier Trilogie, die sich um das ausfransenden Gebiet im Südwesten der USA rankt.

Teil 1: Sicario. Hier fiel mir vor allem die Regie von Denis Villeneuve, die „bekannte Tatsachen und Untaten einem atemberaubend nahe bringt“ unter eindruckverstärkendem Einsatz der Musik auf. Es geht um den Drogenkrieg, der vom nördlichen Mexiko aus versucht, in den USA Fuß zu fassen.

Teil 2: Hell or High Water. Mir sind vor allem die Kamera, „die die Geschichte in- und auswendig kennt“ aufgefallen und „die betörende Regie von David Mackenzie“, während die Geschichte mir eher eine ganz gewöhnliche Familiengeschichte schien vorm Hintergrund der Hypothekenkrise.

Und jetzt Teil 3: das Thema indigener Reservate, in denen nach Öl gebohrt wird und deren verheerende Nebenwirkungen, speziell geht es um das Reservat „Wind River“. Hier hat der Autor selbst die Regie übernommen.

Das Resultat lässt mich unerwartetetweise nachdenken über die Gewichtung von Autor und Regisseur bei Betrachtung und Evaluierung eines Filmwerkes und lässt mich kurzfristig an der oft wiederholten These zweifeln, was die Antwort auf die Frage sei, welche drei Dinge sind die wichtigsten für einen Film? Erstens: das Buch, zweitens: das Buch und drittens: das Buch.

Denn in seiner eigenen Regie wirkt der Film plötzlich nicht mehr so frappant, wie Sicario und Hell or High Water erwarten ließen, bei denen ich interessanterweise vor allem Regie und Musik oder Kamera bei der Review hervorgehoben habe, die für die aufregende Atmosphäre gesorgt haben, während die Geschichten eher üblich wirkten.

Und in seinem dritten Teil hat es sich Sheridan besonders schwer gemacht, als er als Jahreszeit den Winter, als Gegend eine bergig-verschneite mit grau-blau-kalt wirkenden Wäldern und Bergen, mit noch dazu oft stark vermummten Figuren und vielen Schneemobilen gewählt hat. Und die Massenschießerei vor dem Trailer von Ölförderarbeitern wirkt schon sehr filmschulmäßig inszeniert.

Es ist ein Thriller. Sicher taugliches Rezept. Schon wieder ist im Reservat eine junge Frau zu Tode gekommen und von Corey Lambert (Jeremy Renner) im Schnee gefunden worden. Eigentlich sollte er Jagd auf einen Puma machen, der Schafe reißt. Da die junge Frau offenbar keines natürlichen Todes gestorben ist, wird das FBI hinzugezogen. Das schickt, das ähnliche dramaturgische Prinzip hat Sheridan schon in Sicario benutzt, eine junge Frau, weil sie am nächsten zum Reservat sei, die noch Greenhorn ist und sich auch in der Natur nicht auskennt. Es ist Jane Banner (Elizabeth Olsen). Lambert wird ihr als Ortskundiger helfen, im Indianerland zu ermitteln. Auch hat er seine Tochter vor drei Jahren auf ähnliche Weise verloren.

Der gute Zweck des Filmes ist, dass er auf das Elend im Reservat aufmerksam machen will. Auch auf den Sachverhalt, dass es überall in Amerika Vermisstenregister gibt, nicht aber in den Indianerservaten. Falls sich das nach diesem Film ändert, so hat er zumindest etwas erreicht.

Und dass junge Männer, die ohne Frauen im Niemandsland eines solchen Reservates eng in Wohntrailern zusammenleben, dem Alk und der Gewalt zuneigen, ist nun auch eher Plattitüde als neue Erkenntnis.

Im Vergleich mit den anderen beiden Teilen der Trilogie macht dieser Film auf jeden Fall deutlich, was für grandiose Regisseure Villeneuve und Mackenzie sind. Und dass sie womöglich gerade ein eher gewöhnliches, aber grundstabiles Drehbuch zu grandiosen Leistungen aufblühen lässt.

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Der Däne Bjarke Ingels wollte nie Architekt werden; wenn schon, dann Comic-Zeichner.

Mit seinem Bruder stieg er auf das Flachdach des elterlichen Bungalows, der leicht erhöht an einem See gebaut ist. Ihn störte, dass das Dach ungenutzt war. Den Vater störte, dass die Buben es nutzten. Und wenn der Vater den Sohn nicht an eine Architektur-Hochschule angemeldet hätte und Bjarke nur noch zu unterschreiben brauchte, dann wäre aus ihm wohl nie der berühmte, innovative Architekt geworden, als den ihn Kaspar Astrup Schröder in seiner lebendigen und spannenden Dokumentation schildert.

Auch mit 40 guckt Ingels immer noch jungenhaft, hat nur seine Architektur im Kopf. Er setzt sie immer in Verbindung zu ihrer Umgebung, denkt über die Außenhaut der Gebäude hinaus, verlässt das brave Auftagsdenken und trickst es aus.

Das wird klar an einem Kraftwerk, das er für Kopenhagen bauen soll. Über den ganzen Gebäude- und Wirtschaftskomplex zieht er eine Haut, auf der er eine Skipiste plant (denn kalt wird es in Dänemark und Schnee gibt es auch, nur keine Hügel); und auf der Steilseite wird die größte Kletterwand Europas entstehen.

Aber das reicht dem jungen Architekten nicht. Er will noch ein Zeichen setzen, eine knifflige technische Aufgabe: der Rauchausstoß aus dem Kamin soll in Stößen erfolgen, die Kringel bilden. Darauf muss einer erst mal kommen. Das fällt auf. Sein Laden blüht.

Wieder sticht Ingels alle Konkurrenten aus mit der Aufgabe aus einem Trockendock in Helsingör (ja, da wo Hamlet) ein nationales Schiffahrtsmuseum zu bauen. Er belässt das Dock leer als Kommunikations- und Querungsraum und baggert die Museumsräume in die Umgebung. Da erfährt er zum ersten Mal, dass Sieger es auch mit Anwälten und Prozessen zu tun bekommen können.

Das Büro BIG ist jetzt groß, will nach Amerika expandieren, nach New York. Hier werden zwei besondere Projekte dokumentiert: der zweite Turm für das Memorial zum Attentat aufs World-Trade-Center, der zweite Turm und ein Wohnturm am Rande von Manhatten zu Tribeca, in dem er einen eigenen Akzent in die New Yorker Skyline setzt und gleich ein ganzes Echo auf Manhattan mit einem Innenhof wie dem Central Park.

Ingels Familienleben kommt zu kurz, bis 40 hat er gar keines. Er schwebt auf seinen Ideen, wirft Ballast ab, führt die Architektur zu neuen Dimensionen.

Dann lernt er seine Mitarbeiterin Ruth aus Spanien näher kennen. So kommt noch etwas Lovestory in die ansonsten auch nicht dröge Doku. Nebst einer peripheren Krankengeschichte: nach einer Hirnerschütterung hatte Bjarke immer Kopfweh und es wurde auch eine Wucherung im Hirn entdeckt.

Gerne sinniert Ingels über das Schicksal berühmter Architekten, wie viele Akzente sie auf der Welt setzen können, wie viele von ihnen eines unnatürlichen Todes gestorben sind, und auch, wie viele im Alter erstarrt sind. Andererseits schläft er normalerweise wie ein Baby.

Aber das Problem, wie sehr das Leben seiner Büros von seiner Person abhängt, ist eine schwere Last auf seinen Schultern, denn das Büro in Dänemark, mit dem sie zwar ein großes Internet-Fenster nach New York pflegen, läuft nicht gut, wenn er nicht da ist. Das gibt ihm zu schaffen. Denn das ist wohl eine selten Begabung, die er hat, tun, was nicht vorgeschlagen wird und wo Probleme sind, auch Lösungen zu finden, so ist ein Gebäude eine endlose Reihe von Kämpfen, die es zu bestehen gilt, und kaum ist Bjarke nicht dabei, wird schon eine falsche Fassade gebaut.

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Fernsehdokuware.

Er ist kein Idealist, kein Wohltäter, kein Gutmensch, kein Revolutionär, kein Menschenfreund, er ist ein Anwalt in einem Umfeld, in dem von 500 $ pro Stunde gesprochen wird, er residiert in einem protzigen Büropalast in Washington DC, er schaut das Fernsehen ohne Ton und lässt dazu Opernarien spielen, er lebt exzellent davon, dass in Amerika Schadenersatzprozesse lange dauern und zu Irrsinnsentschädigungen führen können.

Es ist der Anwalt Ken Feinberg. Seine Marktlücke sind Schadensfälle, bei denen es um Miliardensummen geht. Hier ist er der wohl prominenteste Anwalt. Er wird von den Schadenszahlern engagiert, von BP im Ölunfall im Golf von Mexiko. Wieviel er dafür verdient hat, erfährt der Zuschauer nicht in dieser mehr auf Mitgefühl mit den Opfern denn auf systematische Information setzenden Dokumentation von Karin Jurschick unter Drehbuchmitarbeit von Birgit Schulz.

Es wird auch nicht ersichtlich, warum der Film, der bestensfalls TV-Kriterien (keine zu langen Szenen, keine zu gründliche Recherche, Verzopfung verschiedener Topoi) erfüllt, ins Kino kommen soll und warum er überhaupt gemacht wurde und zu welchem Behufe. Soll er den Appetit der Europäer auf Steigerung der Entschädigungszahlungen anregen?

Der Film hat eine starke Schlagseite in Richtung Sensationsreportage, indem er ausgiebig Archivmaterial einiger der größten Katastrophen der letzten Jahrzehnte hervorzieht, beginnend mit dem Vietnam-Krieg und Agent Orange über 9/11, Lehmann-Pleite bis hin zu aktuellen Pensionskürzungen in Minnesota.

Dass der Anwalt in einer Topliga spielt, wird ersichtlich mit der Nutzung eines Privatjets. Er selbst beschreibt seinen Job als den, er benutzt zwar das Wort Krämer nicht, eines Zwischenhändlers, der wie im BP-Fall eine ordentliche Milliardensumme an potentielle Kläger ausschütten kann, wenn sie dafür Klage-Verzicht erklären.

In der Katastrophe ist bares Geld dringend nötig und oft weder Geld noch Geduld für langwierige Prozesse mit ungewissem Ausgang da. Das ist sein Deal, wofür BP ihn gewiss fürstlich entlohnt hat. Für die Opfer von 9/11 habe er ohne Honorarforderung gearbeitet. Bei so einem Statement wäre es interessant zu erfahren, ob er das mit der Steuer kompensieren konnte oder ob er eine Unkostenentschädigung erhalten habe.

Im Film kommen viele Opfer von Katastrophen vor. Sie wirken beliebig ausgewählt. Die Filmemacherin durfte sich einige Zeit an die Fersen des Anwalts heften. Mäuschendoku in unausgereifter Art. Wer nur auf diese Idee kommen konnte – und daraus einen Bedröppelfilm zu machen und noch so zu tun, als sei er ein Gutmensch? Der Titel ist irreführend, bloß weil ein Opfer findet, er könne Gott spielen, was eine subjektive Empfindung ist, er hieße besser, Being a Big-Money-Krämer.

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Der dunkle Himmelsbau.

Das ist das Bild,was bleibt von diesem Film. Nacht, Donau, alles dunkel, eine Frau geht ins Wasser, hinter dem Fluss ragt ein Gebäude wie ein Gebirge dunkel in den Himmel, die unregelmäßig angeordneten Fenster sind erleuchtet. Gespenstisch. Wenn es ein Gemälde wäre, gäbe es Anlass zu vielfältigen Interpretationen. Hier ist es allerdings nur das Schlussbild des ganz und gar misslungenen Filmes von Jan Speckenbach.

Das Schlussbild steht im Hinblick auf das Thema des Filmes für unwirtliches Hausen, für eine zerrüttete Familie, für eine verwirrte Frau, die ihren Mann (Amwalt wie sie) und die beiden Kinder in Berlin zurücklässt, nach Wien stromert und von dort mit dem erstbesten Bus nach Bratislava fährt, gewollt oder nicht, gezielt oder nicht.

Der Film walzt die Folgen einer nicht intakten Familie reizlos aus, lässt den Zuschauer lange im Ungewissen, besinnt sich später darauf, oder weil es zu fade ist, mit Rückblenden einige platte Hinweise darauf zu geben, wieso diese Frau so allein und orientierungslos bis nonintentional in der Weltgeschichte sich herumtreiben lässt.

Offenbar bekommen solche Menschen leicht Sexerlebnisse. In Wien landet die Frau vom Supermarkt weg im Bett eines ungaren Jünglings, in Bratislava schließt sie sofort familiäre Freundschaft mit einer Frau, die Tänzerin sei und im Nachsatz anfügt, sie würde auf der Bühne Sex treiben.

Das sind wohl die Vorstellungen von Freiheit einer nachrückenden Filmemachergeneration, falls Speckenbach typisch sein sollte dafür. Ziemlich rückständige Vorstellungen, darum bleibt ihm nichts anderes übrig, als beim Wassergang – und sie ward nicht mehr gesehen – seiner Protagonistin den Song Freiheit darüber zu hauen.

Freiheit zum selbstgewählten Exitus. Vielleicht ist es pure Verzweiflung des Filmemachers über sein Werk oder aber über das Leben, was er uns so aber nicht so richtig kommunizieren kann.

Der Film scheint vom Unglück begleitet. Der Dreh wurde 2014 abgebrochen (oder unterbrochen?). 2016 ging es weiter, einer in Berlin, einer in der Slowakei. So wundert es nicht, dass der Mann der Freiheits-Protagonistin (die Namen der Darsteller wollen wir rücksichtsvoll verschweigen, der Darsteller, die das Pech hatten, eine Rolle hier angeboten zu bekommen und das Ungeschick dazu, sie noch zuzusagen) im Film plötzlich ganz anders ausschaut und dass das Opfer einer Fremdenhass-Tat plötzlich ausschaut wie eine Frau.

Den Film zu verteidigen, ihm etwas abzugewinnen scheint schwer, wenn nicht gar ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht nachvollziehbar ist, dass sich dafür Geldgeber gefunden haben, denn es ist auch nicht ablesbar, dass eventuell eine überzeugendes Drehbuch vorgelegen haben könnte.

Dazu ist auf der Tonspur ein Lied, das von Freiheit singt, zu hören. Kann den Film aber nicht erklären. Es gibt eine kleine Nebengeschichte, die nicht nur zeigt, wie langweilig ein Anwaltsleben in Berlin ist. Diese kleine Geschichte zeigt mit dem moralischen Zeigefinger auf die Folgen des Fremdenhasses hin. Der Anwalt hat einen jungen Deutschen zu verteidigen, der einen Schwarzen vermöbelt hat und der im Krankenhaus auf der Intensivstation liegt. Der Anwalt spielt den Verzweifelten, er möchte den Typen nicht verteidigen. Stattdessen sitzt er im Krankenhaus am Bett des Komatösen, hält Monologe zu seiner (imaginierten) Frau oder streichelt das Opfer. Fremdenhass ist nicht gut, vielleicht so eine Message.

Über das Leben in Berlin gibt es Rückblenden, die zeigen, dass das Familienleben der abgänigen Frau nicht glücklich war. Ihr Mann knutscht mit einer Kollegin rum.

Die Kamera trägt wenig zur Entschlüsselung der Absichten des Regisseurs bei, scheint selber im Nebel zu tappen und Musik ist mal da, mal nicht.

Es gibt im ersten Drittel eine kurze Phase, in der der Eindruck entsteht, hier geile sich ein Regisseur am Motiv aus, dass eine Frau allein und hilflos in der Welt sei; das könnte schöner Genretrash werden. Hat aber auch nicht geklappt.

Hochtrabender Kulturimpetus: Lethe, Orpheus und Eurydike

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