Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Dieser Film nach dem Buch von Otfried Preußler ist von Uli Putz, Jakob Claussen und Koproduzenten Lukas Hobi und Reno Schaerli produziert worden und wird nach seiner Kinosaison ein ordentliches Einspielergebnis aufweisen.

Das Zielpublikum, wenn ich das richtig einschätze, Kinder bis maximal zum ersten Lesealter, werden voller Eindrücke nach Hause gehen, viel zu erzählen, zu fragen oder zu zeichnen haben. Die Macher werden sich auf die Schultern klopfen und zufrieden feststellen, dass sie alles richtig gemacht haben; der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Wenn sie das hätten, dann müsste aus dem Film ein Klassiker werden wie die Buchvorlage. Daran habe ich meine Zweifel. Die Begründung dafür liegt im Kinohandwerklichen, in einer nicht gelungenen Balance zwischen den verschiedenen Gewerken, die mich an der Nachhaltigkeit des Filmes zweifeln lassen.

Prinzipiell ist schon die Länge von 103 Minuten viel zu lange für kleinere Kinder. Selbst in der Schule gilt, das habe ich mal gehört, eine Aufmerksamkeitsfähigkeitsspanne von einer dreiviertel Stunde, dann muss Pause sein; 103 Minuten sind für das Zielpublikum viel zu lang. Es ist doch recht unfassbar, dass das keinem der erwähnten Produzenten nicht irgendwie durch den Kopf gegangen sein soll, dass das nicht von Beginn der Produktion an festgelegt worden ist.

Positiv bleiben in Erinnerung die wirklich schöne Ausstattung/Bühnenbild, sei es des Hexenhauses oder die Wald-, Moos- und Farnböden, die sind in weich-milden Farben und auch angenehm beleuchtet und vor allem die Soloshow von Karoline Herfurth und auch die Musik von Diego, Nora und Lionel Baldenweg; diese wühlen sich lustvoll in einen Kinosound, der zu Hexengeschichten passt.

Der Regisseur allerdings scheint mir nicht unbedingt ein begnadeter Schauspielerregisseur zu sein, das zeigen die fast verängstigten Kinder, das wird sichtbar in der Rolle der Hexe Rumpumpel, da scheinen weder Schauspielerin noch Regisseur eine plausible und zudem attraktive Lösung gefunden zu haben.

Karoline Herfurth allerdings hat schon mit SMS für Dich gezeigt, dass sie sehr wohl imstande ist, sich selbst hervorragend zu inszenieren; auch hier ist sie immer makellos geschminkt, traut sich aber die spitze Hexennase mit Vergnügen zu, spielt eine Hexe, der gut und gern zuzuschauen ist.

Allerdings entsteht zu ihrem – eigentlich für Hexen nicht erwünschten – Spielpartner und Raben kaum eine Beziehung. Offenbar ist keinem der verantwortlichen Caster oder Produzenten aufgefallen, dass Axel Prahl grad gar keine gute Besetzung als Sprecher für den Raben ist, weil er kein sonderlich guter Sprecher ist und schon gar nicht den Pfiff und den Witz und die Schlauheit und Durchtriebenheit eines Raben sprachlich vermitteln kann. Das ist weder für das Hörgefühl noch für die Schulung des kleinkindlichen Sprachgefühls von sonderlichem Wert.

Das sind alles Details, die den Wirkkreis des Filmes eng bemessen dürften. Wie überhaupt der restliche Cast, bis auf den Balduin Pfefferkorn (Michael Gempart, der eine zeitlose Grande-Utilité-Leistung erbringt) mehr hoppla-di-hopp herbeigezaubert wurde nach nicht weiter nachvollziehbaren Kriterien.

Ja die Walpurgisnacht-Hexen erwecken den Eindruck der Laienspielschar eines dramatischen Vereins. Die Kamera leidet zu oft unter Sehschärfe, stellt ein Material bereit, das zwar für ein Umblätterbuch, wie ein Kinderbilderbuch tauglich ist, nicht aber für einen Sog, der in einem Film dank der Montage entstehen kann; die Entscheidungen der Kamera für Einstellung, Kadrage und Position bleiben im Obskuren. Egal, kleine Kinder kann man alles vorsetzen, die können ja noch nicht zwischen einem guten und einem weniger guten Kinderkinofilm unterscheiden.

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