Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Ziviler Aufstand gegen Polizeischlamperei.

Die Tochter von Mildred (Frances McDormand) im Kaff Ebbing in Missouri wurde misshandelt und ermordet. Mildred hat die Untätigkeit der Polizei satt. Mit einer aufsehenerregenden Aktion will sie darauf aufmerksam machen. So fängt der Film von Martin McDonagh (7 Psychos) an.

In dieser hochspannenden Exposition werden die drei titelgebenden, überdimensionierten Plakatwände, die eine wenig befahrene Straße säumen, eingeführt. Seit Jahren hat hier niemand mehr etwas angepriesen, niemand mehr Werbung gemacht. Red Welb (Caleb Landy Jones) ist der Vermieter.

Mildred mietet sie an, um Plakate mit einem Text nach ihrem Need anzubringen. Es ist ein Aufruf und Fragen an den örtlichen Polizeichef Gilloughby (Woody Harrelson). Die Aktion verfehlt ihre Wirkung nicht. Zeitigt aber Folgen, die durch die individuellen Rechtsansichten der Beteiligten eine nicht vorhersehbare Entwicklung nehmen, setzt nicht, wie es verspricht, einen mustergültig demokratischen Prozess in Gang. Das ist die Enttäuschung nach der vielversprechenden Einführung. Aber das ist gewollt von McDonagh.

Der Film wird also kein Lehrfilm über passiv-aktiven Widerstand. Involviert in diese Entwicklungen sind der Polizist Dixon (Sam Rockwell), der für die willkürliche Seite der Polizei steht, für provinzielle Auswüchse, auch im Zusammenhang mit dem Rassissmus, der im Süden der USA, auch wenn der Film einige Jahr zurück spielen mag, immer noch gang und gäbe ist.

Weitere sorgfältig charakterisierte Figuren, die hineingezogen werden in die Dramatik, die immer wieder in dialektischer Konsequenz zu bitteren Pointen führt, sind eine Freundin von Mildred, ihr Sohn, die Mutter von Dixon, der Ex von Milddred mit der strohdummen, 19-jährigen Pamela (eher: Penelope), über die sich leicht Witze reißen lassen, weil sie der Prototyp einer jungen Tusse ist, die Polo und Polio nicht unterscheiden kann und der Pfarrer gibt Anlass für ein paar Reflektionen zum Thema Gang.

Polizeikollege Cédric, der neue Sheriff und auch das Fernsehen spielen den Multiplikator-Effekt aus; die sozialen Netzwerke gibt es noch nicht und auch keine Handygeschichten.

Angenehm an diesem Film ist der sparsame Gebrauch von Waffen; die sind primär geistiger Natur. Der einzige Schuss, der fällt, ist für einen Selbstmord gut. Und einmal wird eine Knarre noch in ein Auto geladen, aber die Fahrer schwanken in ihrer Mordabsicht.

Schlägereien gibt es, körperlich gehen sich die Figuren hart an, schenken sich nichts, da wirft ein Bulle schon mal einen nicht genehmen Bürger zum Fenster hinaus auf die Straße oder eine Bürgerin wirft Molotow-Cocktails auf das Polizeirevier. Und einen romantischen Zwerg gibt es auch. Der ist Symbol dafür, dass McDonagh sich nicht primär für den konsequenten Fortgang der Plakataktion interessiert, dass ihn das Zirkus- und Possenhafte an der Provinz genauso reizt, was aber den Storyfaden ins Schlingern bringt. Aufgemerkt: schöne Spitalzimmer haben sie in Ebbing Missouri!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert