Nur Gott kann mich richten

Dramaturgisch verknurzt.

Es ist schon schwer genug, im Kino eine Geschichte spannend zu erzählen; aber Özgür Yildirim (Blutzbrüdaz), der vor Jahren mit seinem Erstling ‚Chico‘ einen Zufallstreffer gelandet hat und seither ein förderungswürdiger Name ist, ohne offenbar das Schreibhandwerk zu beherrschen, ist eine Geschichte zu wenig, gleich zwei Geschichten müssen her.

Eine zerbröselt es dabei vollkommen. Die andere lässt sich wenigstens aus den Schmetterteilen im Film in etwa rekonstruieren und es lässt sich erkennen, wieso sie spannend sein könnte, wenn sie sauber erzählt würde und auch, dass sie allein mehr als abendfüllend wäre.

Es ist die Geschichte der Polizistin Diana (Birgit Minichmayr, die macht das wirklich gut!). Sie hat ein herzkrankes Kind, Lili. Das braucht so schnell wie möglich ein Spenderherz. Um auf der Warteliste nach vorne zu rücken, sind 30′ 000 Euro (Bestechungsgeld) nötig – immerhin ein deutlicher Hinweis auf Arges bei der Gesundheitsversorgung in diesem unserem Lande.

Auf einer Streife bei einer Verfolgungsjagd fallen Diana 2,5 Kilogramm reinstes Heroin in die Hände. Da sie 30′ 000 Euro nicht hat, aber das Mutterherz für das Kind spricht, kommt sie in einen abgrundtiefen Konflikt zwischen ihrem Job, der das Gesetz schützen soll, und ihrer Mutterrolle, der sie in diesem Moment nur mit einem Gesetzesbruch, nämlich mit dem Verscherbeln des Heroins, gerecht werden kann.

Das wäre bei weitem Stoff für einen tiefen, ergreifenden, berührenden Kinofilm.

Aber Özgür Yildirim weiß es besser. Und die vielen fördernden Anstalten lassen sich vom Besserwiß an der Nase herumführen, machen Gelder locker für einen Film, von dem nicht klar wird, was er will.

Denn Yildirim schreibt auch noch, verhackstückt, die Geschichte von Ricky (Moritz Bleibtreu), seinem kranken Vater (Peter Simonischek) und dessen Bruder Rafale (Edin Hasanovic) und von Rickys Freundin oder Ex-Freundin, wird nicht so klar, einer Ballettlehrerin.

Der Film wirkt von der Ästhetik her, als wolle er alle bekannten Klischees über Kanackengangstertum in Deutschland noch aufmotzen, auch mit den simplen Lichtgebungen, die auf Grell gemacht sind und mit diesem Immigranten-Fernsehdeutsch von den entsprechenden Darstellern – vielleicht eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, eine Subventionsabgreifmaßnahme (weil ja Minderheiten gefördert werden müssen)?

Schon beim Verlassen des Kinos kann ich mir nicht erklären, was es mit dem Titel und dem Herrgottstattoo von Ricky auf sich hat. Er ist ein Gangster. Er war im Gefängnis. Jetzt ist er verwickelt in den Heroin-Deal oder den Klau des Heroins, weil er seinen Traum hat, eine Bar irgendwo im Mittelmeerraum aufzumachen.

Nebst der Unausgewogenheit der beiden Geschichten, die ineinanderrennen, indem Diana das Heroin aus Rickys Klau findet, wird viel laut geredet bis geschrieen, es wird auch viel geschossen in diesem Frankfurt.

Andererseits wird Frankfurt charakterisiert als eine Stadt, in welcher in einem ruhigen Wohnviertel nachts eine Schießerei stattfindet und kein Mensch aus der Nachbarschaft wacht auf. In vielen dunklen Locations wird viel geschossen und gerangelt, es fließt Blut, Frankfurt ist eine gesetzlose Stadt, in der auch eine Polzistin Leute abknallt, die ihren Muttertierweg kreuzen.

Könnte eine supergrelle Groteske werden, so vom Gedanken her. Von der Realisierung her ist es vor allem: leeres Klischee, sich Aufgeilen des Regisseurs an der vermeintlichen Schilderung dieses Kriminellen- und Zuwanderermilieus, so wie der öffentlich-rechtliche Fernsehzuschauer (Durchschnittsalter ab 72 oder mehr) es sich vorstellt. Und die Mümmelgreise von Redakteuren.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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