Coney Island
war ein berühmter Vergnügungspark am Rande von Brooklyn. Heute ist der Park etwas aus der Mode gekommen, gehört längst nicht mehr zu den Musts als Touristenattraktion. Andererseits sind Rummelplätze und Vergnügungsparks etwas Zeitloses. Das Riesenrad, das Wonder Wheel, ein schönes Beispiel für ewigen Kreislauf, für Auf und Ab in sanfter Bewegung.

Deshalb vielleicht siedelt Woody Allen diesen, seinen neusten Film bewusst dort und in den 50er Jahren an und verpasst ihm einen verführerisch nostalgischen Look in wechselnder Chromatographie zwischen warmen, erdigen bis roten Tönen, in denen blondes und rötliches Frauenhaar im Gegenlicht zauberhaft leuchtet und in alltäglichem Blau ohne diesen Farbzauber bei Frühstücksszenen oder er wechselt mitten in einer zentralen Dialogszene die Farbgebung.

Das mag wie aus der Zeit gefallen wirken, denn auch die Fahrgeschäfte strömen diese lebensbejahende, freundliche Atmosphäre aus. Die Wohnung der beiden Hauptfiguren Ginny (Kate Winslet) und Humpty (Jim Belushi) ist mitten im Rummelplatz im ersten Stock, menschlich-wohnlich eingerichtet, nicht etepetete, behaglich. Die beiden arbeiten bei Fahrgeschäften oder beim Imbiss, halten sich so über Wasser.

Aber die menschlichen Verältnisse, die sind nicht so. Bub Richie ist von Ginny. Sie schafft es, Humpty vom Alkohol fernzuhalten, hat aber ihre Schnapsflasche unter der Spüle versteckt. Der Bub spiegelt die Gestörtheit der Verhältnisse insofern, als er ein Zündler ist, immer überall Dinge in Brand steckt, auch den Papierkorb im Wartezimmer der Psychologin.

Das ist die Ausgangslage, brüchig genug, im prima gearbeiteten Drehbuch, in die hinein Carolina (Juno Temple) platzt. Sie ist die Tochter von Humpty, der mit ihr gebrochen hat. Sie befindet sich in einer Notlage. Sie hat eine eigene dramatische Geschichte hinter sich und ist in Gefahr.

Aber nicht genug der dramaturgisch hochaktiven Parameter. Am Strand von Coney Island thront auf dem Lifeguard-Hochsitz Mickey (Justin Timberlake). Mit ihm hat, das ist zwar von den Besetzungen empirisch nicht ganz so nachvollziehbar, Ginny ein Verhältnis angefangen. Es kann nicht ausbleiben, dass auch Carolina ihm begegnet.

Woody Allen nimmt die Menschen, so wie sie sind, voller Widersprüche und auch Unklarheiten über ihre Gefühle und lässt sie aufeinander los, in so einem engen Bereich wie einem Rummelplatz und einer Rummelplatzwohnung kommen sie sich nicht aus. Woody Allen setzt clever und stimmig die Sehnsucht eines jeden Menschen nach Liebe, nach erklärter Liebe, nach Anerkennung als Motor seiner zeitlosen Geschichte ein. So wird aus dem Film Kino für Kenner und Genießer und für die Freunde des Riesenrades dazu..

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