Score – Eine Geschichte der Filmmusik

Ein komfortabler Film, der einen mit vielen bekannten und berühmten Szenen- und Musikausschnitten aus der Filmgeschichte, überwiegend der Hollywoodfilmgeschichte, angenehm verköstigt.

Die Interviews mit den Komponisten, Regisseuren und anderen Koryphäen des Faches sind schmerzlos kurz, bringen Anekdoten zum Vorschein, etwa der Komponist, der nach einem Publikumsscreening seines Filmes sich in den Klos versteckt, um zu eruieren, ob Zuschauer Melodien aus dem Film nachpfeifen. Ehrlicheres Feedback ist kaum möglich.

Oder vom Schock des Komponisten, wenn er noch tief in der Arbeit zu einer Filmmusik steckt und in der Öffentlichkeit bereits riesig die Plakate für den Film werben.

Diese Dokumentation von Matt Schrader bestätigt, was immer schon zu vermuten war, oft aber nicht leicht zu formulieren ist für den Filmschreiber, was der Einfluss der Musik auf das Filmerlebnis ist, was die Musik mit den Gefühlen der Zuschauer im Zusammenhang mit den Bildern anstellt.

Dass sie was anstellt, wird am deutlichsten klar, wenn eine Filmstelle erst ohne Musik und dann mit gezeigt wird. Allerdings verzichtet der Film auf Experimente, wie eine Filmstelle zu unterschiedlichen Musiken wirken könnte.

Spannende Einblicke gibt es in Studios mit Filmorchestern und wie die Komponisten damit umgehen. Der eine will seine eigene Musik am liebsten selbst dirigieren, der andere hört sich das Ergebnis lieber aus dem Regieraum mit dem hochkonzentriert lauschenden, vielfältigen technischen Personal an und glaubt, so besser die Feinheiten herauszuhören.

Ein durch elektronische Musik kaum zu erzeugender Effekt bei einem Orchester ist der „Chor“-Effekt; dass kein Musiker exakt dasselbe Timing hat wie der andere, dass dauernd Unschärfen passieren, die den reizvollen Klang eines Orchesters ausmachen; wodurch wohl auch mehr Lebensnähe erzielt wird.

Gerühmt wird auch die Fähigkeit der Filmorchester, ab Blatt zu spielen; sprich: mit wenigen Proben oder gar keinen.

Ein Vorentscheid über die Musik entsteht schon durch die Vergabe des Komponier- und Spielauftrages: das Fox-Orchester in L.A. habe einen härteren Klang als das von Abbey-Road in London. Und auch der Entscheid für einen Komponisten ist ein Vorentscheid über die Musik. Wobei Hans Zimmer, den man in unzähligen Filmabspannen schon gelesen hat, immer für eine kreative Überraschung gut sei; er habe als erster Filmorchster mit elektronischer Musik kombiniert.

Für den Kinofan ist dieser Film ein wunderbares, erholsames und gleichzeitig anregendes Beiprogramm zum „normalen“ Kinobesuch mit der Erinnerung an einen Schwung von unvergesslichen Filmmelodien und Filmszenen, gleichsam ein Bad in der klassischen Kinomusikgeschichte.

Und es soll niemand glauben, es hätte je den reinen Stummfilm gegeben: von Anfang an, bei den Gebrüdern Lumières noch Ende des 19. Jahrhunderts, gab es schon die Begleitung durch einen Pianisten, später kamen Orchester oder Wurlitzer-Orgel dazu.

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