Eine bretonische Liebe – Otez-moi d’un Doute

Zwei Musikbeispiele aus diesem Film von Carine Tardieu, die mit Michel Leclerc, Raphaèle Moussafir und Baya Kasmi auch das Drehbuch geschrieben hat, belegen Haltung und Methode, Einstellung und Präsentation des ewigen Themas Liebe: die Papageno-Arie aus der Zauberflöte mit ihren ‚Pa‘ – ‚pa‘ – ‚pa’s oder ‚Chiribim-Chiribom‘ von den Barry-Sisters.

Beide könnten ein Hütchenspiel symbolisieren, in dem ganz schnell und leicht die Hütchen gelüftet werden und immer die bange Frage, ob was drunter sei, im französischen Kino selbstverständlich die Frage ob Liebe, ob Wahrheit.

Immer geht es um die Liebe. Meist. Im französischen oder wie hier im belgisch-französischen Kino, um das Spiel mit der Liebe, und die Spielzüge der Liebe, wer für wen gemacht ist nebst Komplikationen, wer der Vater sei, ob er ausfindig gemacht werden könne.

Und schon ist wieder was Junges unterwegs. Diesmal bei Juliette (Alice de Lencquesaing) ist Didier (Estéban), der die schräge Bohéme-traurige-Clowns-Figur linkisch verkörpert, der Vater. Kann er, der ehemalige Sträfgling, den Juliette betreut, die Vaterrrolle überhaupt ausfüllen und akzeptieren?

Aber schon mit Juliettes Vater Erwan (Francois Damiens) gibt’s ein Problem, ist er wirklich der Sohn von Joseph (André Willms) mit seinem Hund Pinochet oder doch der von Bastien (Guy Marchand). Und was ist mit der Ärztin Anna (Cécile de France), die nachts auf regnerischer Landstraße ein Wildschwein anfährt und ihm gleich die Spritze gibt? Ein vermintes Feld.

Erwan ist beruflich beim Minenräumdienst, da kann, wuff, etwas in die Luft gehen. Dazu einige Infos über Kriegsüberreste – erster oder zweiter Weltkrieg, die Deutschen? – finden so in den Film.

Nebst einer Alten, die überzeugt ist, den Hitler als noch lebend erkannt zu haben. So wie in den Musikstücken rasant hochgesungen wird, so erzählt Carine Tardieu zügig vorwärts, geht mitten in die Szenen rein ohne langes Ähm und Hm. Sie geht nah ran an die Figuren, arbeitet souverän konventionell mit der Schnitt-Gegenschnitt-Methode im Sinne einer smarten und wie leicht in die Tasten gehauenen Geschichte mit ungebremstem Sog.

Der Film spielt in und in der Näher der französischen Ortschaft Etel und auch am Meer, über welches schnittige Windsurfer brausen, so wie die Komödie über die Leinwand. Eine schmunzelnde Komödie. Was die Menschen vor der Liebe doch alles wissen wollen und was nachher!

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