Lebenslinien – Und dann kam Helmut Dietl (BR, Montag, 18. Dezember 2017, 22.00 Uhr)

Helmut Dietls letztes Nachthemd.

Gruselig, diese Lebenslinien von Reiner Holzemer über die Witwe von Helmut Dietel unter redaktioneller Oberaufsicht von Christiane von Hahn. Wie leichenfledderisch.

Was soll uns das erzählen, wenn wir von der Witwe den ganzen Medikamentenhaufen, die letzten Infusionsnadeln, das letzte Nachthemd gezeigt bekommen, eines großen Filmregisseurs, der erinnerungswürdige Filme gemacht hat, die das Münchner Leben mit unnachahmlicher Treffsicherheit gezeichnet haben.

Merkwürdig, wenn aus dem Schatten großer Figuren plötzlich die zweite Reihe sich meldet. Denn der Künstler war ja er. Auseinandersetzen wollen wir uns mit seinen Filmen.

Vielleicht war die Protagonistin dieses Filmes einfach zu stark geschminkt, so dass alles dick aufgetragen wirkt. Immerhin gibt sie zu verstehen, dass sie den Dietl gebändigt habe, ihn, den Schauspielerbändiger.

Die Story ist nicht schlecht, wie sie erzählt, wie sie sich verhalten habe, wenn der Choleriker (der sich selbst als Neurotiker charakterisiert habe) sie beschimpfte, dass sie das für ein Spiel hielt, dass sie ihm gesagt habe, er solle in den Spiegel schauen und diesen anschreien, sie würde derweil spazieren gehen; dann habe sie gewartet, bis er anrief, sie solle doch wiederkommen.

Sie zieht ihren großen Künstler aus für diese Lebenslinien, zeigt Fotos von sich mit ihrer Tochter, als Baby, von Dietl mit der gemeinsamen Tochter als Baby, von der Hochzeit in Venedig.

Dann sind es wieder so stinkübliche, langweilige Lebenslinien. Frau Tamara begeht ihre frühere Schule in Hamburg mit einer Freundin. Frau Tamara am Grab einer Freundin in der Toskana. Ein bisschen Reisen soll im Budget für Lebenslinien drin sein. Weil sonst wären sie wohl noch fader, wenn man nur den Menschen kennenlernen möchte. Vor allem, was er heute ist.

Lebenslinien heißt wohl, in vergilbten Fotoalben wühlen und Orte der Kindheit begehen. Nicht alle können das gleich gut. Bully Herbig darf in einer Leseszene darauf aufmerksam machen, dass das Buch von Dietl schlecht redigiert ist. Also bitte nicht kaufen, soll damit gesagt werden. Und die Ausstellung muss noch rein. Das ist irgendwie alles komisch mit dieser Frau, die als Coach arbeitet und im Nachlass von Helmut Dietl wühlt.
Überflüssige Lebenslinien. Nicht von öffentlichem Interesse.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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