In Korbach ist kein Leben für sie, shoobie Dubai.

Darum landen sie in Neukölln an und bleiben hier, denn Neukölln ist nicht Korbach (wo man aus dem Fenster springt, wenn man nicht mehr kann) und Neukölln ist, zu Teilen mindestens, tolerant, nicht mehr so ganz, es gab die Rütli-Schule-Schlagzeilen und heute wird ein Schwuler auch schon mal blöd angemacht über die Straße.

Aber in Korbach ist kein Leben für einen Mann, der sich als Frau kleidet, der als Frau auftritt und mit einem Mann zusammenlebt, der Songs schreibt und eigenständig lustig-gefülvolle Bilder malt. Er, das ist Juwelia.

Mit Juwelia fängt Rosa von Praunheim (Co-Regie: Markus Tiarks) seinen Film über Grenzgänger, Paradiesvögel, Überlebenskünstler, Künstler, Flüchtlinge, Transen, Schwule, Lesben, Zuwanderer in Neukölln an, die sich dort wohl fühlen, die sich dort das Überleben (noch) leisten können. Menschen, die keine Karrieristen sind, die aber auch nicht wie die Eltern in Korbach auf dem Finanzamt oder in einem Buchhaltungsbüro arbeiten wollen.

Es sind Menschen, die zu ihren Gefühlen stehen und diese leben, die sich nicht wegen ihrer vielleicht von der Norm abweichenden Interessen, erniedrigen lassen wollen. Es sind keine Professoren, Börsengurus, Anwälte, Kapitalisten, Bundestagsmitglieder, Lobbyisten, Autohändler, Börsenspekulanten, Hausmeister oder Winkeladvokaten, die von Praunheim sich vorgenommen hat.

Es ist jene Art von Menschen, die Neukölln, das früher Rixdorf hieß – deshalb gibt es das Trio der Mütter, die sich Rixdorfer Perlen nennen – so lebenswert macht, auch wenn die Gentrifizierung an der Zerstörung dieses Rufes arbeitet.

Es sind Menschen, die ihren kleinen Überlebenskampf kämpfen als Künstler, Entertainer, als Aktivist mit dem Fahrrad oder als Rentner oder Rentnerin, die es einfach genießt. Es sind die Menschen, die Neukölln bunt und leider auch attraktiv machen und somit zum Ziel für Immobilienhaie und die „feinen“ Leute.

Durch die Auswahl der Leute ist für Musik-, Gesangs- und Tanzeinlagen gesorgt, für Transenauftritte. Aber auch ein Kameramann ist unter den Porträtierten, der immer wieder in Krisengebiete geht, Flüchtlinge aus Syrien, die als Sänger oder als Chorleiter aktiv sind, ein junger Galerist, der mit Bauklötzchenbildern seine große Liebe dokumentiert und diese Klötzchen zu Kunstobjekten macht, eine Künstlerin, die alle abstrakten Bilder in Schwarz-Weiß hält, einer, der als Sozialarbeiter wie auch als Performance-Künstler arbeitet.

Und man fragt sich, wieso all diese Menschen an vielen anderen Orten der Welt anecken und bösartige Reaktionen hervorrufen, wo sie doch unaggressiv sind, warum ein glückliches Leben für sie in Korbach (das Fachwerkstädtchen als Synonym für Engstirnigkeit genommen) nicht möglich sein soll.

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