Paddington 2

Ein Zusatzleben.

Das ist Paddingtons, des Bärs im grünen Duffelcoat und mit dem roten Hütchen, Devise: Er sieht die Welt positiv, ist zu allen freundlich, tut keinem etwas zuleide, ist überall beliebt. Er hat Grund dafür insofern, als er eigentlich schon dem Tod durch Hinabstürzen in einen riesigen Wasserfall in südlichen Gefilden bestimmt war.

Auf einem Stück Holz kann er sich vorm Ertrinken retten, aber die Wassermassen wälzen sich schnell dem Absturz zu. Wenn nicht … wenn nicht Bärin Lucie und ihr Mann auf einer waghalsigen Hängebrücke über dem Fluss picknicken würden und den kleinen Bären im Strom entdeckten.

Das ist Action genug, allein wie er gerettet wird. Lucie, die von London träumt, schickt Paddington dorthin zur Familie Brown (Vater: Hugh Bonneville, Mutter: Sally Hawkins). Hier lebt er und ist beliebt und nützlich. Ein integriertes Mitglied der Gesellschaft in der kleinen Straße.

Im Antiquariat von Mr. Gruber (Jim Broadbent) entdeckt er ein Aufklapp-Bilderbuch von London, ein uraltes. Dieses möchte er Tante Lucie schicken, da sie von London träumt. Es sei aber sehr teuer, sagt der Antiquar. Deshalb will Paddington Geld verdienen. Wie er sich dabei anstellt bei den verschiedensten Jobs und ungefähr falsch macht, was er falsch machen kann, das ist schon ein eigenes Unterhaltungskino in bewährter und frischer Manier in der Regie von Paul King nach dem Drehbuch von Simon Farnaby, Paul King, Jon Croker nach der Schöpfung von Michael Bond.

Allein die Nummer wie er einem, mit dem er es noch zu tun bekommen wird, die Haare unfreiwillig schneidet. Auf das Buch ist allerdings noch jemand scharf und der klaut es auch und Paddington wird Zeuge davon, wird aber stattdessen verdächtigt und kommt in den Knast für „Grand Theft“.

So verfährt die Gerechtigkeit der Welt mit einem Menschen, der nur das Gute im Menschen sehen will. Im Genom dieser wunderbaren Art britischen Erzählens sind Dickens genauso vorhanden wie Shakespeare und die entsprechende Schauspielerei.

Hugh Grant glänzt als Phoenix Buchanan, ein Schauspieler der berühmt ist, berühmt dafür, dass er in einer Werbung die Synchronstimme einer Nebenfigur ist; der aber auch den Rollen- und Kostümwechsel liebt. Und er hat andere Talente im wandernden Jahrmarkt, der mit dem Klappbilderbuch etwas zu tun hat.

Es gibt eine längere Knastsequenz, die voller verwunderlicher Wendungen ist. Hier freundet sich Paddington mit Knuckles an (Brendan Glesson), dem Koch, hier wird sein Talent, Confitüre herzustellen eine Rolle spielen.

Es sind lauter bekannte Erzählsituationen, hinzu kommt, um gegen das Ende hin noch kräftig eins draufzusetzen, eine halsbrecherische Bahnfahrt-Action-Verfolgungsjagd.

Aber wie Paul King die verschiedenen Arten einzelnen taktet und kombiniert, das dürfte eine selten geglückte Erzählmischung sein, die vor verrückten Wendungen und Einfällen so wenig zurückschreckt wie vor längst bekannten und vertrauten, die aber so gut und auch leicht gemacht sind, dass man sie genießt wie beim ersten Mal und dabei völlig vergisst, dass man den Film ja kritisieren wollte.

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