Detroit

Auf vergangenes, kaum gesühntes, schreiendes Unrecht sensationsberichterstatterisch aufmerksam machen.

Dieses Kino von Kathryn Bigelow nach dem Drehbuch von Mark Boal will das Gerechtigkeitsgefühl des Menschen im Kern treffen und aufrühren, indem es die miese, mickrige, weiße Polizistenfigur Phil Krauss – Will Poulter ist so gut besetzt oder spielt das so gut, dass einem direkt Mordgedanken hochkommen könnten – zwei Stunden lang vollkommen unschuldige und musikalisch hochtalentierte schwarze Jungs quälen lässt. Auch mit Fake-Erschießungen und dann sogar richtigen wie aus dem Spiel ernst wird. Und nach zweieinhalb Stunden lässt Bigelow diese dreckige Kreatur von Polizisten und einige Mittäter ungeschoren davon kommen und von einer weißen Jury freisprechen.

Den Vorwand für diese schwer erträgliche Malträtierung von Zuschauers Gerechtigkeitszentrum liefert eine wahre Geschichte aus dem Jahre 1967 aus dem titelgebenden Detroit.

Die blühende Autoindustrie zieht viele Afroamerikaner aus dem Süden an. Der wirtschaftliche Aufschwung führt zu einem Umbau der Stadt. Die Weißen ziehen in Häuschen in den Vororten. Manche Innenstadtviertel werden immer mehr von Schwarzen bewohnt. Von der Polizei werden diese brutal behandelt. Die Stimmung ist angespannt.

Bigelow kommt ohne Umstände zur Sache, zu den Ereignissen um den 23. Juli 1967. Die Polizei führt in einem Schwarzenclub eine nicht ganz legale Razzia durch. Dagegen protestiert eine sich schnell vergrößernde Menge. Schon fliegt ein Molotowcocktail. Die Ausschreitungen kommen in Gang. Es gibt Plünderungen.

Gegen den Aufruhr werden die talentierten Jungs der Gesangsgruppe „The Dramatics“ geschnitten, hübsch, attraktiv und mit tollen Stimmen begabt.

Die filmische Erzählmethode von Bigelow ist in der Nähe der Sensationsreportage anzusiedeln, fast gewinnt man den Eindruck, eine verkappte Kriegsberichterstatterin sei am Werk. Die inszenierte Bewegung und Unruhe von Polizei, Schwarzen, Autos wird filmisch überhöht mit einer nervösen Handkamera, die mehr Bewegung auf die Leinwand bringt als ein ruhiger Betrachter vermutlich feststellen könnten. Auf diese Überhöhung wird noch auf der Tonspur eins draufgesetzt.

Es ist also nicht ein dokumentarisch-fiktionaler Erzählstil, sondern eher ein reißerischer, dem der Zuschauer nicht auskommen soll. Das wird zur Nervenstrapaze, besonders wenn sich der Schauplatz von den Straßenkämpfen ins Motel Algiers verlegt, wo die Sänger Larry (Algee Smith), Fred (Jacob Latimore) sich zurückziehen und erst mal in Sicherheit vor den Unruhen mit zwei Frauen aus Ohio anbandeln.

In einem Dachzimmer treffen sie sich mit Freunden. Einer erlaubt sich den Jux, mit einer Schreckschusspistole erst auf einen Freund zu schießen, der sich sofort tot stellt. Dann schießt er aus dem Dachzimmer in Richtung der weiter entfernten Polizei, die hysterisch reagiert aus Angst vor dem Heckenschützen und das Etablissement stürmt.

Sie wollen einen Täter haben, wie auch immer, diese Erpressung der Unschuldigen, die zelebriert Bigelow förmlich und verschont den Zuschauer nicht, so viel Gemeinheit, so viel Boshaftigkeit in einem Menschen. Fast möchte man vermuten, auch Bigelow sei nicht frei von Sadismus, dem Zuschauer das zuzumuten – und als finale Höllenqual – ebenfalls sensationsberichterstatterisch nur die Rosinen an Dreck aus dem Prozess gegen die Polizisten (es geht um dreifachen Mord) herauszupicken und draufzusetzen.

Fahrige Kamera soll Aufgeregtheit simulieren.

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