Mit den Waffen einer Frau.

Diktaturaufarbeitung auf Chilenisch, fiktional und mit den Mitteln einer neugierigen, faszinierend direkten und anmacherischen Frau, bei der man nie weiß, wie bewusst sie ihre Mittel einsetzt oder ob sie intuitiv von ihnen geleitet wird. Insofern bleibt beim diesem Film von Marcela Said einiges offen.

Mariana (Antonia Zegers) ist diese charmant und doch listig guckende, verführerische Hauptfigur, die mit ihrer Zielbewusstheit die Menschen in ihrer Umgebung irritiert, erst recht, wenn es um Liebesdinge geht. Sie ist noch jung, aber nicht mehr blutjung. Sie ist die Tochter eines Forstbesitzers und verheiratet. Das mit dem Nachwuchs funktioniert nicht. Sie ist in ärztlicher Behandlung. Sie nimmt Reitstunden.

Bei einem Empfang zuhause ist auch ihr Reitlehrer Juan (Alfredo Castro) eingeladen. Ihr Vater spricht ihn als Oberst an. Die Diktaturvergangenheit meldet sich.

Mariana wird neugierig. Sie verliebt sich in den Reitlehrer und fragt ihn direkt, was es mit diesem Titel und mit der Zeit in der Diktatur auf sich habe. Sie fühlt ihm ohne Betäubung auf den Zahn.

Es ist ein faszinierendes Spiel, das sie mit ihm treibt, vielleicht gar ein verschlagenes. Sie rührt bei ihm an tief vegrabene, wunde Punkte, verdrängte Geschichten selbst beim idyllischsten Picknick.

Die Reitstunden in der hochbedachten, halboffenen Reithalle geben schöne Kinobilder ab.

Mariana liebt und verehrt ihren Papa. Bei ihm wird es schwierig für sie, kritisch zu sein. Denn auch der Vater wir in einen Zusammenhang mit dem Verschwinden von Menschen gebracht, wenn auch der Reitlehrer offenbar stärker daran beteiligt war. Der Vater hat LKWs an den Oberst verliehen. Er will nicht gewusst haben, was damit getan wurde.

Den Vater als Mittäter zu sehen, das will Mariana in ihrer kühnsten Fantasie nicht wahrhaben. Ihre Mischung aus Naschkatze, wie sie einmal genannt wird, und aus einem Schuss verschlagener Direktheit im Blick, vielleicht sogar Kalkül eines zuschlagenden Raubvogels, macht sie zu einer selten zu sehenden Kinofigur, erst recht im Zusammenhang mit der Diktaturaufarbeitung.

Die titelgebende (Los Perros = Die Hunde) Hundesymbolik spielt durchgehend eine Rolle, ist vielleicht etwas dick, aber im Ölgemälde vom Mädchen, das dicht umringt von einem Rudel Hunde ist, kulminiert sie zu sinistrer Virtuosität.

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