Flitzer

Beim Barte Gottfried Kellers,

des Schweizer Nationaldichters, der den Grünen Heinrich und die Leute von Seldwyla geschrieben hat – wenn er gewusst hätte, was ihm im Schweizer Kino einst blühen wird in diesem Film von Peter Luisi (Ein Sommersandtraum), der mit dem Protagonisten Beat Schlatter auch das Drehbuch geschrieben hat!

Beat Schlatter als Balz Näf ist Lehrer an einer mittleren Schule in Baden bei Zürich. Er verehrt den Schweizer Nationaldichter, behandelt ihn zur Qual der Schüler im Unterricht und möchte ihm ein eigenes Museum errichten.

Da Balz auch die Schulkasse verwaltet und sparsam ist, hat er den schönen Betrag von 280’000 Franken beisammen als Startfinanzierung für das Museum. Doch das literarisch wenig interessierte Lehrerkollegium spricht sich für eine andere Verwendung des schönen Batzens aus, für die Anschaffung eines ‚fifazertifizierten‘ Kunstrasens für den Sportplatz. Das Wort geht den Lehrern leichter über die Lippen als ein Gottfried-Keller-Zitat.

Balz ist geknickt und sinnt wie ein Seldwyler Bürger über Mittel und Wege, doch noch zu seinem Museum zu kommen. Beim Frisör Kushtrim (Bendrit Bajra) mit dem weißen Lambo vor dem Laden wird er fündig.

Der betreibt heimlich ein Wettbüro mit ’sicheren‘ Wetten (Sicherheit über Bestechung des Torwartes). Hierher trägt Balz über 741’000 Franken, die für den Sportplatz bestimmt sind, um mit dem Gewinn sein Museum zu finanzieren. Es kann nichts schief gehen.

Wie es bei so sicheren Dingen in der Unterwelt ist: es geht schief: ein Flitzer rennt zur Unzeit auf den Platz des bestochenen Spiels, was zu einem falschen Reslutat führt.

Jetzt sitzt Balz in der Tinte. Er ist aber schlau wie eine Gottfried-Keller-Figur, er beschäftigt sich mit den Dingen der Welt, in diesem Falle mit dem Thema des spielentscheidenden Flitzers. Seine Geschäftside mit Wetten auf Flitzer ist geboren und versetzt die Komödie in den Overdrive, momentweise beinah auf der Überholspur zu einer amerikanischen Komödie.

Auch seine Gegenspielerin bei der Polizei Sandra Strebel (Doro Müggler), noch dazu die Mutter der einzigen Streber-Schülerin in Balzens Klasse, wird in den Wirbel hineingezogen. Balzens Aktivitäten werden dadurch pikanter, dass er selbst eine Tochter in seiner Klasse hat, die noch dazu nur mit dünner Stickerei bekleidet provokant herumläuft.

Vor lauter Begeisterung für die eigene Dynamik hat der Film allerdings vergessen die zusätzliche Würze der Liebe zwischen Kommissarin Strebel, die bald auf den Flitzerboom angesetzt wird, rechtzeitig anzusetzen, ihre Fehlinterpretation eines Besuches von Balz bei ihr kommt wie aus heiterem Himmel und unvorbereitet. Denn Balzens Besuch ist von existentielleren Dinge getrieben als von der Liebe. Balz schuldet den Bauherren der Turnhalle viel Geld. Solche Bauherren sind nicht zimperlich, wenn es ums Geldeintreiben geht.

Diese Komödie zeigt trocken-lakonisch schweizerischen Humor von der besten Seite, verfolgt die Bedürfnisse der Menschen nach Geld und Befreiung präzise Schritt für Schritt und promotet nebenher noch das schöne Motto, dass man ab und an doch ein bisschen mutig sein soll.

Wie sich die Handlung zum Finale in wilden Handlungspirouetten dreht, auch das ist schon fast amerikanisch. Und mit einfachen schwarz-weiß Fotos werden Deutschlehrer Balzens Alpträume geschildert. Außerdem macht es richtig Laune, dem ausgezeichnet ausgewählten und geführten Ensemble zuzuschauen.

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