The Sound of Constitution,

der ist leise, summt kaum hörbar, vielleicht wie eine Klimaanlage. Und dito der Whistleblower, der im Sinne der Verfassung oder des Grundgesetzes handelt.

Der ehemalige Enthüllungsjournalist und Kriegsberichtsreporter Peter Landesman (Erschütternde Wahrheit) hat nach dem Buch des Vorbildes seines Protagonisten Mark Felt (Liam Neeson) ein großartiges Gemälde dieses leisen Klanges der Verfassung und derjenigen, die sie schützen, entworfen.

Es geht um den berühmten „Deep Throat“, der FBI-Geheimnisse an Bob Woodward (Julian Morris) von der Washington Post weitergereicht hat, deren Veröffentlichung zum Rücktritt von Präsident Nixon führte: der Watergate-Skandal.

Der Klang der Verfassung ist leise. So ist der des Whistleblowers, der in ihrem Sinne agiert. Liam Neeson spielt ihn seriös und zuverlässig durch und durch. Einer, dem man keine Regung ansieht, wenn er lügt. Einer, der perfekt gekleidet und frisiert ist, der als absolute Verlässlichkeit ausstrahlt.

Felt ist der Zweithöchste in der Hierarchie des FBI. Über ihm war erst nur Hoover, als Präsident von 1935 – 1972. In der Nachfolge wäre Felt der nächste gewesen. Er wurde aber nach dem Tode Hoovers übergangen. Über ihm kam ein Mann von außen, der unbeleckt von Geheimdienstwissen war, Gray (Marton Csokas) – und dadurch faktisch alle Macht an Felt delegieren musste.

Wenn ich das so beschreibe, fällt mir allerdings ein, dass das für Felt doch eine enorme Kränkung gewesen sein muss, dieses Übergangenwerden; der Geheimnisverrat könnte also auch ein Akt der Rache gewesen sein. Denn so sauber war Felt ja nicht, wie eine Szene vor einer Jury gegen Ende des Filmes zeigt: dort wurde er verurteilt wegen illegalger Verwanzungen und Abhöraktionen im Zusammenhang mit dem PLO-Terror. Hierbei kommt auch der Unterschied zwischen dem Lärm, den der Terror macht, und dem leisen Sound der Verfassung zur Sprache.

Aber die These, dass es möglicherweise eine Rache an der Nichtbeförderung war, die stellt der Film nicht auf, das ist so ein Gedanke, der sich jetzt nach dem Schauen einstellt. Zuzutrauen ist andererseits einem, der so perfekt lügt, wiederum alles.

Ein Beispiel für so eine Lüge bringt der Film nach dem Tod von Hoover. Es war bekannt, dass dieser privat Akten bei sich aufbewahrt hat. Seine Anleitung an Felt: im Falle des Todes, alles zu vernichten. Den Befehl führen Felt und seine Mitarbeiter umgehend und minutiös aus; so kann Felt die Frage aus dem Weißen Haus nach diesen Akten mit dem nüchternen Satz quittieren „there are no files“– vermutlich hätte kein Lügendetektor ihn als Lügner offenbaren können.

Der Film fängt, auch dank der drohnenhaft kreisenden Kamera von Adam Kimmel und dem Herausnehmen von knallbunten Farben, diese Atmosphäre um den Geheimdienst, hm, fast poetisch schön ein. Er versucht gar nicht erst einen Realismus. Oder: Kino als der Versuch, ein Sound-Phänomen einzufangen (the Sound of Constitution). Ziemlich gelungen.

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