Die Tanzkünstlerin als Überlebenskünstlerin.
Hier ist einiges durcheinander geraten in dieser liebevollen Hommage von Silke Abendschein an den Tanz und an drei Tänzerinnen. Aber spielt es für den Außenstehenden überhaupt eine Rolle, ob gerade Avatara Ayuso spricht oder Eugenia Morales oder Alejandra Banjo, ob wir gerade in Barcelona sind, in London oder in Dresden oder sonstwo auf der Welt auf einer Bühne oder auf einem Festival?
Gibt es nicht dieses Verbindende, das die drei Frauen und viele Menschen um sie herum, Tänzerinnen und Tänzer, Förderer, Intendanten, Kritiker verbindet: die bedingungslose Hingabe an die Kunst des Tanzes, ob klassisch oder modern?
Das ist es, was die Faszination dieser Dokumentation von Silke Abendschein ausmacht. Dass sie sich nicht hochrankt an Berühmtheiten, sondern drei Frauen porträtiert, die nicht Stars in einer großen Tanzcompagnie sind, sondern Kleinkünstler, eigene Unternehmerinnen, Choreographinnen. Dass sie, da Tanz keine große Anerkennung hat in der Gesellschaft, um ihr Überleben kämpfen, dass sie ein zweites Standbein brauchen, Yoga unterrichten oder ein eigenes Studio betreiben mit den unternehmerischen Hypotheken und dem organisatorischen Kram bis zum Hausputz.
Aber sie nehmen es auf sich, weil Tanz ihre Erfüllung ist, weil Tanz ihr Leben ist, weil Tanz sie kreativ macht, weil sie immer nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten suchen, sich inspirieren lassen von der Bewegung des Meeres, der Wüste oder der Stadt.
Das spiegelt sich in den Bildern wieder, die Silke Abendschein oft über die Interviews mit den Tänzerinnen schneidet, Städteimpressionen von London, Dresden, Barcelona, Ausschnitte aus Choreographien, von hinter den Kulissen, Einblicke in die Proben, in die Herstellung von Kostümen.
Sie tanzen auch an einem großen Haus, das die Bühne für neue, unabhängige Choreographien zur Verfügung stellt. Doch dann hapert es am Geld, diese auch weitherum zeigen zu können, auf Tournee zu gehen. Das Leben als Künstler ist ein ständiger Kampf.