Mit einer atemberaubend gut gearbeiteten Eingangsszene verdient sich dieser Film einen Bonus, der groß genug ist, die exaltiert dargestellte Kaputt- und Möchtergerngangster-Realität New Yorks im Rest des Filmes gegenzugewichten.
In dieser erste Szene wird Nick (Benny Safdie, der sich mit Josh Safdie die Regie nach dessen und Ronald Bronsteins Drehbuch teilte) von Psychiater Peter (Peter Verby) einem Sprachtest unterworfen, der an sensiblen Oberflächen zu kratzen versucht und schnell auf verletzte Stellen stößt.
Dieser Nick ist nicht nur langsam von Begriff, vielleicht sogar leicht behindert, auch nuschelt er beim Sprechen, kann das ‚S‘ nicht richtig scharf artikulieren, er scheint andauernd in Absenzen zu versinken, in ihm brodelt ein Vulkan, der beim kleinsten falschen Wort explodieren könnte. ‚Bratpfanne‘ ist so ein Wort. Es kommt in der harmlosen Frage zu Wortspielen zur Sprache. Es löst in ihm ungute Erinnerungen aus. Im richtigen Moment kullert Nick sogar eine Träne über die Wange.
Doch die Sitzung mit dem Psychiater wird jäh und gewaltsam unterbrochen. Bruder Connie (Robert Pattinson) stürmt das Befragungszimmer und zerrt Nick raus, beschimpft ihn. Hier fangen die Titel an, die sich bis über Minute 20 hinaus immer wieder einblenden.
Und es fängt eine wie mir scheint erfundene Räuberpistole an, die laut und knallig und angefeuert von der Musik mit ebensolcher Ambition erzählt, wie doch manche New Yorker Verhältnisse im Eimer und hoffnungslos sind.
Es geht um einen Bankraub mit dem entzückenden Detail, dass die Räuber kein Wort sagen, sondern in einen handschriftlichen Dialog mit der Kassiererin eintreten, bis diese noch mehr Geld aus dem Tresorraum holt. Es folgen Hit and Run. Nick wird erwischt und landet verletzt in einem Krankenhaus.
Es gibt verschiedene Verhaltensweisen, die zeigen, dass Connie kein professioneller Krimineller ist. Zum einen, dass er seinen behinderten Bruder in den Bankraub einspannt. Auch wie er ihn aus dem Krankenhaus rausholt; ein Motiv, das Generationen von Filmemachern immer wieder reizt: die Entführung aus dem Krankenhaus; auch Nick dürfte einige solcher Filme gesehen haben. Dabei kommt es zu Unvorhergesehenem und zu Ungereimtheiten. Zum einen ist der Patient, den er entführt, an den Tropf angeschlossen und beim Losreißen hört eine Maschine auf zu piepsen, was doch alarmierend ist. Zum anderen merkt er zu spät, dass er den falschen Patienten erwischt hat.
Der Film geht mit Nicks Fehler mit, lässt den falschen Patienten seine Geschichte, die auch eine Räubergeschichte ist, erzählen – dieser Monolog könnte ein Hinweis auf eine literarische Kurzgeschichte als Drehbuchvorlage sein – und versucht an dessen Räuberbeute zu kommen.
Die Absicht ist wohl, mithilfe eines gewissen Overactings, düsterer Farbgebung, reißerischer Kamera eine grelle Anprangerung der dreckigen Verhältnisse im New Yorker Underground zu erreichen à la „Das Licht geht nicht, benützen Sie den TV!“. Dies ist hypothetisch gedacht: als ob eine Szene, in der TV-geschaut wird, dem Reality-Crime-TV eins auswischen soll, denn die Realität ist härter, grausamer.
Dass sie Gangsta können, das zeigen die Filmemacher, dass sie mehr können, zeigen sie mit der Eingangssequenz.