Der Konzertdealer

Scumeck Sabottka ist einer der Big Player der hiesigen Konzertbranche. Er ist dazugekommen, weil er Musikfan ist, weil er immer Musik gehört hat. Eine Krankheit hat ihm indirekt den Weg geebnet. Eine diagnostizierte Gelbsucht hat ihn davon überzeugt, keinen Alkohol zu trinken. Deswegen war er gut geeignet als Fahrer für Bands. So hat er den Veranstaltungsbetrieb kennengelernt, konnte am Steuer weiterrauchen, Musik hören und im Kartenlesen war er auch gut.

Zum Sprung ins selbständige Veranstalten war es dann nicht mehr weit. Sein Name ist ihm wichtig als Qualitätsname. Sicher verdient er gut Geld, ein kleiner Blick in seine Garage mit Oldtimern bestärkt diese Vermutung. Aber sein primäres Interesse gilt der Musik, Bands, die er liebt, zu promoten und herauszubringen.

Sobo Swobodnik hat dieses filmische Porträt über Scumeck Sabottka gedreht. Er umklammert es mit Bildern vom Boxtraining des Managers. Swobodnik wird sich überlegt haben, wie er einen Mann aus dem Hintergrund, der doch primär organisatorisch aktiv ist, spannend auf die Leinwand bringen könnte. Er hat sich für einen schwarz-weiß Film entschieden und der Fotografie Spiel- und Experimentierraum eingeräumt, manchmal vielleicht etwas zu viel mit Stop und wieder zurück.

Swobodnik hat sich entschieden, vieles aus der Sicht der Protagonisten zu zeigen, weil er oft unterwegs ist im Flugzeug, im Auto, mit dem öffentlichen Nahverkehr oder gar mit dem Motorrad.

So ergeben sich kunstfotographische Städtimpressionen bei Tag und bei Nacht. Oder man sieht den Protagonisten in Büros, Studios, Arenen, bei Besprechungen, beim Entspannen, bei der Massage, in der Badewanne, beim Tätowiertwerden, beim Auspacken von Merchandising-Artikeln, Taschen mit aufgedruckten Zitaten aus dem Buch „Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft“ von Svetlana Alexievich (um im Kopf was anzuschubsen).

Musikalisch geht der Dokumentarist ganz auf seinen Protagonisten ein, der Film ist untermalt von Musik von Dinos Chapman (welche er seit zwei Jahren fast ausnahmslos hört), von Yasmine Hamdan und Kedi Mina. Wobei Swobodnik auch auf der Tonspur gerne mitexperimentiert mit Verzerrungen und Überhöhungen oder mit Dimmen von Sprache oder anderem O-Ton.

Eine durchgehende Story ist ein längeres Radiointerview in dem immer wieder, wie auch in anderen Szenen, gut verdaulich einige Infohäppchen über das Musikmanagement verarbreicht werden. Es gibt private Einblicke in sein rührendes Verhältnis zu seiner rüstigen Mutter oder beim Kochen mit seiner Lebensgefährtin. Er ist ein Eierkopf, kahlrasiert mit schwarzumrandeter Brille, ein Kopf, der so schon das Bild eines Intellektuellen oder eines Künstlers abgibt und sich dem Fotografen geradezu anbietet, umso mehr als Swobodnik eine sehr ruhige Figur ist, die ja den Überblick braucht.

Der Film fügt sich wunderbar ein in eine Reihe neuerer Musikfilme: Kraftwerk, Denk ich an Deutschland in der Nacht, Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze, Magical Mystery, Conny Plank – the Potential of Noise.

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