Ohne unsere Zwangsgebühren würden solche Filme wohl niemals gedreht, denn hier entscheiden keine Geschäftsleute, die ein Einspielergebnis sehen möchten oder Mäzene, die in die Arbeit eines Regisseurs vernarrt sind, hier entscheiden Funktionäre, Fernsehredakteure nach nicht nachvollziehbaren Kriterien, warum so ein Film gemacht wird.

Hier im Film von Hanno Olderdissen (Die Einsamkeit des Killer vor dem Schuss, Eine Insel namens Udo) nach dem Drehbuch von Clemente Fernandez-Gil kommt es gleich doppelt dick mit einer Doppelpackung von Herzschmerz-Herzfehler- und noch dazu Pferdefilm und ist auch noch ein Dieter Hallervorden-Film, der zum Drahtzieher der Herz-Schmerz-Entwicklung wird und dabei eigene Fehler von früher seiner Tochter gegenüber sich eingestehen muss.

Hallervorden ist inzwischen in einem gesegneten Alter, in dem alle Figuren rund und irgendwie doch väterlich sind. Er war ein Rennstallbesitzer, hat schlecht gehaushaltet, hat noch ein schwer zu bändigendes Rennpferd. Ihm droht der Verlust des Hauses, wenn er nicht innert nützlicher Frist einen Kredit von 80′ 000 Euro zurückzahlen kann. Es ist ausgerechnet seine ihm entfremdete Tochter, die das – mit einer kleinen Schonfrist – verordnet.

Die Aussicht auf ein Pferderennen mit just der Gewinnsumme inspiriert ihn dazu, das herzkranke Mädchen Jana, das eines Tages bei ihm im Hof vorbeischaut und dessen Pferdeliebe er bemerkt, auf sein schwieriges Pferd anzusetzen und wieder flott fürs Rennen zu machen. Er wohnt in einer Gegend mit dem Autokennzeichen LK.

Die Geschichte haben die Autoren verblüffend einfach und schön geschrieben, fast zu klar, zu gezielt auf die Herzschmerz-Schiene für das Degeto-Publikum und sie belassen es auch bei einem halben Stinkefinger für die Schulmedizin, nicken aber schließlich vor ihr ein, indem die oft gerührt spielende Jana (Lena Klenke) nach dem Rennen, das sie schließlich mit dem schwarzen Pferd bestreitet, doch noch der bislang verweigerten Operation nach neuesten Erkenntnissen der Herzchirurgie zustimmt.

Wobei dieser Schluss doch biologisch auf wackligen Füssen steht, wie will jemand, der so herzkrank ist, wobei das Absetzen von Betablockern und anderer Medizin problemlos vonstatten geht, ein Trabrennen mit höchster Strapaze überleben und anschließend eine überlebenswichtige Herzoperation erst machen?

Ihren Freund Samy (ein geschniegelter Fernsehdarsteller: Emilio Sakraya), den segnet vorher schon das Zeitliche, seine Herzkrankheit war stärker, auch stärker als die Liebe zu Jana. Ziemlich eindimensional bös kommt die penetrante Mutter von Jana rüber und der Papa wirkt so, als stehe er immer in Unterhose da.

Dramaturgisch allerdings ist es plausibel, die Mutter als Verhinderin des Glücks und der Eigenwilligkeit ihrer Tochter darzustellen. Warum ich mir trotzdem kaum vorstellen kann, dass eine nennenswerte Zahl von Leuten den Film im Kino anschauen werden? Irgendwie fehlt dem Film die Begeisterung fürs Kino oder vor lauter Ambition nach Erzählseriosität, die zweifellos da ist, aber auch deutlich nach Schnell-Schnell-TV-Infomentalität ausschaut, ist der Blick aufs Ganze, auf die Kinokraft eines solchen Filmes verloren gegangen, der über eine zweckdienliche Inszenierung nicht hinauskommt.

Ertränkt wird der einfach gestrickte Stoff in überdosierter Ätz-Süß-Musik.
Ein Weisheitssatz, der sich in jedem Fernsehfilm gut macht und das Wohlwollen der Redakeure findet „Du kannst doch nicht immer weglaufen, wenns ernst wird.

Auch dieser Film lässt es nicht verantworten, dass Leute in einkommensschwachen Haushalten, um die Zwangsgebühr zu dessen Finanzierung aufzubringen, Kulturverzicht üben müssen oder gar Flaschen sammeln und die sich schon gar keinen Urlaub leisten können (das sei immerhin jeder 5. Bürger des Landes, habe ich kürzlich gelesen), daher:

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

2 Antworten zu “Rock my Heart”
  1. Lange sagt:

    Selten eine so schlechte Rezension gelesen, hier versucht jemand ohne Sachverstand und Objektivität herum zu ätzen.

    „…der einfach gestrickte Stoff..“

    Das trifft auf 88 % aller Filme zu und ist kein nicht anschau Kriterium.

    „…dass Leute in einkommensschwachen Haushalten, um die Zwangsgebühr zu dessen Finanzierung aufzubringen, Kulturverzicht üben müssen oder gar Flaschen sammeln…“

    Geht es noch ein klein wenig polemischer?

    „…überdosierter Ätz-Süß-Musik.“

    Ich fand die Musik sehr gut gewählt und passend.

    Man könnte ihren Text noch weiter auseinandernehmen, aber dazu fehlt mir jegliche Motivation.

    „…„Du kannst doch nicht immer weglaufen, wenns ernst wird…“

    Genau das mache ich jetzt.

  2. Stefe sagt:

    Dann haben Sie, Lange, den Film offensichtlich nicht verstanden, wenn Sie dessen Moral nicht praktizieren. Trotzdem vielen Dank für Ihr Feedback. Sie gehören wohl zu jener Kategorie von Kommentatoren, die Kritikern immer gleich „Sachverstand und Objektivität“ absprechen, wenn einer sich erlaubt, ein paar Dinge eines Filmes zu differenzieren. Wobei man über Musik selbstverständlich geteilter Meinung sein kann – Süßmusik kann einem gefallen oder nicht; sie bleibt trotzdem süß. Und warum soll nicht vom einfach gestrickten Stoff geschrieben werden dürfen, wenn es, wie Sie behaupten, auf 88 % aller Filme zutreffe? Das sagt allenfalls etwas über die Filme aus, die Sie anschauen.

    Widersprechen muss ich Ihnen allerdings beim Vorwurf, jener Satz sei polemisch, der darauf hinweist, wie öffentlich-rechtliche Produktionen finanziert werden. Sie werden es nach einem Zwangsgebührenmodell, das ein superschlauer Professer, es heißt, er sei ein Verfassungsrechtler, für die Politik erfunden hat, die sich nicht traut, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner grenzenlosen Gier nach immer mehr Geld einzubremsen. Dieses einkommensunabhängige Finanzierungsmodell ist antidemokratisch, es geht zu Lasten der einkommensschwachen Haushalte, entlastet massiv die Reichen und ist ein (wenn auch nicht das größte) Element der Umverteilung von unten nach oben. Wenn dafür keine besseren Filme zustande kommen, so stinkt das Zwangsgebührenmodell erst recht zum Himmel. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk inzwischen sogar eine Erhöhung dieser Zwangsgebühr fordert, das ist nur noch dreist und macht sie noch ungerechter, noch undemokratischer, falls die Politik den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für eine Element der und für die Demokratie hält, für ein demokratisches Gemeinschaftswerk und nicht für ein Versorgungsreservoir für abgehalfterte Parteifreunde (wie zB ein ehemaliger Regierungssprecher, der sich BR-Intendant nennt und ein Gehalt wie die Bundeskanzlerin bezieht, wofür auch arme Haushalte bluten müssen).

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