Falten

Glückliches Alter.

Sie sind überwiegend in den 70ern, haben die ersten Rentnerjahre hinter sich, sind aber noch nicht im Greisenalter angelangt. Sie sind zufrieden, aktiv, kreativ, neugierig, arbeiten noch oder geben den Führerschein zurück. Sie haben immer wieder eigene Entscheide im Leben getroffen. Sie blicken milde zurück auf ein bewegtes Leben, das zu Kriegszeiten begonnen hat und in dem nicht alles so gelaufen ist, wie sie es vielleicht gerne gehabt hätten. So haben sie noch Wünsche und Träume. Es geht ihnen recht gut und das ist ihnen bewusst und sie wissen es auch zu schätzen.

Es sind 3 Single-Senioren (geschieden, verwitwet) und ein Paar, die Silvia Häselbarth Stolz ausfindig gemacht. Sie hat Vertrauen zu ihnen aufgebaut, hat sie über einen längeren Zeitraum begleitet. Sie lässt sie aus ihrem Leben erzählen (da gibt’s privates Footage dazu), beobachtet sie bei ihren Aktivitäten, lässt sie über das Altern philosophieren, über das Glück, darüber, ob sie Dinge bereuen.

Silvia Häselbarth Stolz hat wunderbare Protagonisten gefunden. Es sind dies Fredy Frey, der Weltenbummler, der alte Bauernhäuser neu kalkt und mit seiner Frau in einem Campingwagen wohnt. Es ist dies Urs Wydler, der immer selbständig sein wollte, der Kupferdrucker und Flohmarkttandler, der vor allem besonderes Spielzeug, Autos, Flugzeuge handelt und auf dem Flohmarkt seine sozialen Kontakte pflegt. Nach einem Hirnschlag hat er den Führerschein zurückgegeben, seinen Aktionsradius eingeschränkt. Es ist dies Monica von Rosen, die aktivste und unternehmungslustigste von allen, die spät Fotografin geworden ist, immer noch fotografiert und Ausstellungen organisiert. Sie ist aus einem großen Anwesen mit Garten in ein abgefucktes Mietshaus in Kreuzberg gezogen (hat aber ein Standbein in Luzern. wo alle andere Protagonisten leben) und es ist Rita Maeder-Kempf, die später eine wunderbare Pantomime über eine Story aus ihrem Leben, die mit einem englischen Lord zu tun hat, zeigen wird. Sie hatte eine Rhythmikschule besucht und nach dem Tod ihres Mannes die Freiheit gewählt. Sie gibt immer noch Gymnastikunterricht.

Es ist dies ein Film für Betrachter, ein Film mit gestochen scharfen und schönen Bildern von Kameramann Peter Appius, die nichts wegschummeln. Ein Film in einer Reihe von Altersfilmen, eine frühe Vorstufe vielleicht zu Ü 100 oder in der Nähe von Trockenschwimmen zu sehen, der vom Mut zum Schwimmenlernen im Alter ausgeht, der von seiner Art her auch in der Nähe der Reihe Lebenslinien des BR gesehen werden könnte.

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