Nach einer wahren Gschichte.

Die wahre Geschichte ist die von Jeannette Walls (Brie Larson) vor dem Hintergrund der Geschichte der Familie Walls mit Vater Rex (Woody Harrelson) und Mutter Rose Mary (Naomi Watts) sowie den Geschwistern Lori, Brian und Maureen.

Es ist eine Künstlerfamilie, die spürt, dass sie Großes leisten und die Welt verändern will. Vater Rex hat Pläne, das heruntergekommene Anwesen, in dem die Familie in Virginia nach ruhelosem immer wieder Umziehen, bevor Miete fällig wurde, ein Zentrum findet. Bei den Plänen bleibt es auch. Aber es gibt noch eine Oma in Welch.

Rex ist der Charakter eines unbestechlichen Mannes, visionär, unfähig, eine Familie zu ernähren oder den Kindern eine Ausbildung zu erlauben und der nach und nach immer mehr im Alkohol ertrinkt mit den entsprechend ungerechten und gewalttätigen Ausbrüchen.

Zur Zeit des Beginns des Filmes, 1989, leben er und seine Frau als Obdachlose in New York. Sie durchwühlen den Müll nach Ess- und Verwertbarem. Die Mutter hatte Ambitionen für die Malerei aber kein Feeling oder Händchen fürs Haushalten und Kindererziehen. Gleichzeitig wird eine große Herzlichkeit in der Familie behauptet. Vater ist hochintelligent. Er fährt mit der Familie in die Wüste hinaus, erklärt ihnen die Natur. Sie sollen vom Leben lernen.

Er will umweltschonende Verbrennungsmethoden erforschen und entwickeln. Er hat auch literarische Ambitionen. Und wenn er Geld braucht, geht er zocken. Er ist einer, der keinem etwas vormacht. Die Kinder scheinen vom Vater nicht nur die Intelligenz geerbt zu haben. Sie lernen, sich allein zurechtzubuddeln (Beispiel: Jeannettes selbstgebastelte Zahnspange).

Das ist vielleicht das Krasse an der Geschichte, dass ein Kind aus dieser Familie, Jeannette, nicht nur ein Studium schafft, sondern es bis zur angesehenen Position einer Klatschkolumnistin in New York bringt.

Jeanettes Freund David (Max Greenfeld) scheint aus ordentlichem Bürgertum zu stammen, ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sie leben in New York in einer feinen, protzig ausgestatteten Wohnung.

Destin Daniel Cretton, der mit Andrew Lanham auch das Drehbuch nach den Erinnerungen von Jeannette Walls aufgeschrieben hat, erzählt die Geschichte nicht chronologisch und auch nicht als die subjektive Biographie von Jeannette, (worin sie sich der filmischen Biographie von Stefano Knuchel CLOCLO UND ICH noch mehr annähern würde in der Parallelität, dass jemand aus – aus bürgerlicher Sicht – aus ‚unmöglichen‘ Verhältnissen doch etwas ‚Anständiges‘ werden kann, Knuchel ein beachtlicher Filmemacher), sondern versucht, es als eine Familiengeschichte darzustellen, beginnend mit einer Einladung bei Jeannette und ihrem Mann in New York, in die ihre verwahrlosten Eltern hineinplatzen, um dann mit Rückblenden zu verschiedenen Momenten dieser Familiengeschichte und je nach Alter mit wieder verschiedenen Darstellern fortzufahren. Schwierige Erzähltechnik, für mich jedenfalls, immer genau zu kären, wer ist jetzt wer und wo sind wir – aber dieses Problem ist hier recht gut gelöst worden.

Insgesamt schafft es Destin Daniel Cretton ein lebendiges Bild einer unmöglichen Familie zu zeichnen, allerdings auch mit absehbar versöhnlerischem Schluss. Zwischendrin möchte sich die Tochter von den penetranten Eltern lossagen und dieser Konflikt überträgt sich, dass sie das Gefühl hat, das sei doch unmenschlich, denn an sich tun die Eltern ja nichts Böses – es ist der böse Geist des Alkohols.

Ein Thema was dabei immer wieder erörtert wird, ist dasjenige der Wahrheit, wie lange soll man über so eine Familie lügen, wie weit soll man die eigene Herkunft verleugnen – dabei gibt es noch Geheimnisse, was war zwischen dem Vater und seiner Mutter? Was war das für eine Szene zwischen der Großmutter und dem Buben Brian – alles nur Einbildung der Schwestern? Das Kreatürliche, was diese Familie nach der Idee des Vaters zusammenhält, ist das Wolfsgebrüll, sie halten sich für graue Wölfe, ein Rudel. Aber seine Tochter nennt er Bergziege.

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