Miserabel nacherfundene Realität als Legitimation für einen demokratiefördernden öffentlich-rechtlichen Rundfunk?
Wieder die Erfindung eines Sendeformates, das unendlich schlecht gearbeitet ist, das reale Vorbilder hat, hinter denen es weit herhinkt, und das Sendezeit füllen soll im Sinne der Begründung einer Existenznotwendigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes mit genau der gegenteiligen Wirkung: wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk die gesellschaftliche Realität so pfuschig und schlecht nachbildet, so hat er seine Aufgabe verloren.
Wobei zu vermuten ist, dass diese ordentlichen, karrierefokussierten jungen Schauspieler, die hier versuchen aus der Bahn geworfene Jugendliche zu spielen, das avisierte Zielpublikum auf dem Kinderkanal eher nicht erreichen dürften.
Da ist die Jugend selbst, ob ordentlich oder unordentlich, doch viel quirliger, ist in ständigem Austausch, oder wenn schon, dann richtig in sich gekehrt und garantiert nicht an viel zu steif und fantasielos inszenierten Biedertexten interssiert wie:
„Ich lass dich nie allein“, „Wie heißt die Betreuerin nochmal?“ (eine überforderte Mutter)
„So das ist jetzt der Bus“
„Wir sind gleich da“
„Habt ihr eure Verträge gelesen, dann werd ich die gleich einsammeln“
„Jungs, alles aussteigen, vergesst die Sachen nicht“
„Ansonsten fährst du nach Hause und wirst deine Haftstrafe antreten“
Die Ankunft, heißt der Titel der ersten von 24 geplanten Folgen, und glaubt, Zeit schinden zu müssen mit langen, nichtssagende Anfahrten ohne dass auch nur eine der Figuren so von der Kamera aufgenommen würde, dass sie Interesse erwecken könnte; auch nicht mit den Texten oder mit dem Kostüm. Verhuschter, erzählarmer Einstieg.
Die Führerin kennt die Jugendlichen nach einem erste Blabla noch auf dem S-Bahn-Steig alle schon persönlich mit Namen und scheint doch nicht an den Jungs interessiert, scheint nicht interessiert, eine Beziehung aufzubauen, sie wahrzunehmen. Sie interessiert wie eine verdorrte Büromamsell nur die Namen und der Papierkram, der in vergleichbaren Situationen wohl erst im Bus erledigt würde.
Auch ist komisch, dass die Jungs offenbar überhaupt nicht wissen, worauf sie sich einlassen, dass sie erst im Bus erfahren, dass sie 6 Wochen ohne Handy sein werden. Der Sinn dieser Maßnahme ist doch, dass sie eine bewusste Entscheidung treffen, dass sie sich diesen Regeln aussetzen, um nicht in den Knast zu müssen.
Hier im Film aber sieht es so aus, als fehlte ihnen jegliche Information. Damit wird ihre Ausgangslage nicht ernst genommen weder vom Autor Tilman Roth noch vom Regisseur Niklas Weise. Die ganze Übung ist somit von Anbeginn an für die Katz. Da es ja just darum geht, dass sie selber mündige, verantwortliche Entscheidungen treffen sollen im Bewusstsein der harten Folgen, um nicht in den Knast zu müssen.
Denn ihre Lage ist ernst. Sie sind alle zu rechtsgültigen Haftstrafen verurteilt. Das Programm auf der Alp will ihnen eine Chance geben, sich in einem Team und unter harten Bedingungen zu bewähren. Wenn sie das Camp durchziehen, bleibt ihnen der Knast erspart.
Über eine reale solche Massnahme gabe es bereits eine exzellente Dokumentation: Der Zorn der jungen Männer von Uli Kick. Die war atemberaubend. Die Jungs vibrierten vor Leinwandpräsenz.
Dieser fiktionale Film dagegen ist pfuschig gemacht und anödend, unglaubwürdig von der ersten Sekunde an, eine reine Verschwendung von Zwangsgebührengeldern, die immer mehr Leute sich von einem schrumpfenden Haushaltsbudget absparen müssen. Vorschlag: Die Redakteure in so ein Camp zu schicken, damit sie das Leben kennenlernen unter harten Bedingungen und nicht nur das im wohltemperierten Subventionstümpel.
Nach 10 Minuten, also fast der Hälfte der ersten Folge ist noch nichts passiert, was ein Fundament für weitere 23 Folgen legen könnte, ist nichts, absolut rein gar nichts passiert, was Interesse wecken könnte. Nur auswendig gelernte und steif inszenierte Texte – bemüht.
„Wenn wir sowieso nichts mitnehmen, was machen wir dort denn die ganze Zeit“
„Alexander, das muss es nicht gewesen sein…. und wir versuchens nochmal….. dann alles Gute“.
Und wieder werden mühsam zusammengesparte und abgeknapste Zwangsgebührengelder für ein viel zu schlecht gearbeitetes Format in den Gulli geschmissen.
Runterratter-Monika, herrisch, offenbar keine pädagogische Bildung und mit penetrant schneidender Stimme. Sie versucht offenbar, die Rolle industrieschauspielerisch bewältigen.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!